Druckschrift 
Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

192

Mos elland.

Huben sich also auf die BeinUnd zogen rüstig querfeldeinUeber Berg und Thal, durch Nebel und Guß,Bis sie kamen an den Moselfluß.

Da wohnt' ein Bölklein derb und bieder,Schlichte Herzen und starke Glieder,

Gieng immer gradaus, niemals krumm,

Hatt eine Art von Chrtstenthum.

Da fand der Herr nicht viel zu schaffen,Weder Pharisäer noch Baalspfaffen,

Sie sagten Ja, sie sagten Nein,

Und gleissen nicht mit Heuchelschein.

War aber gar ein bucklich Land:

Ueber Felsen, wo die Rebe stand,

Schien die Sonne so glühend heiß,

Herr und Jünger troffen von Schweiß.

Sprach der Heiland, Scherz oder Ernst:„St. Peter, weil du noch nichts lernst,

So lauf einmal, hast lange Bein,

Ins Dorf und hol ein Schöppchen Wein."Das ließ -sich Petrus nicht zweimal sagen,Ein Schöppchen war just sein Behagen,Nur schlug ihm nie ein Schlückchen an,

Das er nicht mit eignem Gaum gcthan.Drum lief er, was er mochte laufen,

Thät sich erst selbst ein Schöppchen kaufen,Denn der Weise nutzt Gelegenheit.

Unten schmal und oben breit,

Humpengroß einen hölzernen BecherLeert' in einem Zuge der Zecher.

Doch auch des Herrn er nicht vergaß,

Er ließ ihm meßen christlich Maß:

Den Becher hoch zum Rande voll,

Daß er im Gehn ihn überschwoll.

Doch Schade für den edlen Saft,

Versiegt' im Sande seine Kraft: