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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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187
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Koblenz.

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72. St. Ritza.

Jenseits Koblenz wohnte Ritza einsam, von der Welt geschieden,Jenes frommen Ludwigs Tochter, aber frommer selbst als dieser.Immer Morgens, wenn die Glocken in St. Kastors Kirche riefen,Schritt sie auf des Rheines Wellen freudig hin, vor Gott zu knieen.Gerne trugen sie die Wellen, denn ihr Herz war reich an Frieden,Und im gläubigen Gemüthe wuchs ihr nur Vertraun und Liebe.Berge könntet ihr versetzen, hättet ihr Vertraun und Liebe,lieber Meere sicher wandeln, wär euch Zuversicht beschieden.

Also gicng die fromme Ritza, wie auf salzger Flut die Kiele,

Und des Rheines Schmeichelwogcn freundlich ihren Fuß umspielten,Trocknes Fußes gieng sie täglich nach St. Kastor und hinwieder,Und verdoppelt blickt' ihr Antlitz aus des Stromes glattem Spiegel.

Aber einst, da wildgehoben war die Flut, und Stürme bliesen,Wollte Zagen sie beschleichen, Zweifel ihren Muth besiegen.

Standen Reben da am Ufer, sich um Kiefcrpfähle schmiegend,

Riß sie einen aus der Erde, daß er ihr zum Stabe diene;

Setzt den Fuß dann auf die Welle, und die Welle will sie wiegen,Aber nur dem Pfahl vertrauend hält sie ängstlich sich an diesen:Sieh, da sinkt ihr Fuß zu Grunde und der Stab versagt die Dienste,Waßcr spült um Knie und Hüfte und noch sinkt sie tief und tiefer.

Da in Todesnöthen dachte sie des Heilands, der gebietenKann dem Sturme, sich zu legen, und der Flut, gemach zu stießen.Aus den hoch gehobnen Händen schleudert sic den Schaft der Kiefer,Streckt sie flehend zum Erlöser, neues Glaubens voll, und siehe,Wieder heben sie die Wogen, und der wilden Flut entstiegen,

Tritt sie mit dem Fuß die Welle, schreitet fürder triumphierendUnd gestärkt im Glaübensmuthe naht sie bald dem sichern Ziele.

In St. Kastor wirkt noch Wunder was de^: Welt von ihr geblieben;In der Schar der Selgen Gottes ist der Stuhl ihr angewiesen.

K. S.