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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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A ch e n.

Nun war zu jenen Zeiten sein eigen Reich in Noth,

Es kam zu seinen Leuten die Kunde, Karl sei todt;

Zehn Jahre floh» vorüber, Frau Hildegard ward bang,

Ihr Blick ward täglich trüber, die Zeit schien ihr zu lang.

Das war ein Rauben, Morden, ein furchtbar Regiment!

Es zogen wilde Horden straflos durch das Geländ;

Da gicng der Rath in Eile zur Kaiserburg hinan:

„Frau Kaiserin, ohne Weile wählt einen andern Mann!"

Das sah auf seinem Throne der liebe Herrgott an,

Daß seines Dieners Krone ein Andrer sollte Han;

Er hielt den Karl gar werthe, weil er ihm diente treu,

Die Heiden fromm bekehrte, voll stäter, hcilger Scheu.

Drum wählt' er aus den Scharen der Engel einen aus,

Der mustc eiligst fahren zu Kaiser Karl hinaus:

„Mach dich, du Held! von hinnen, cs schleicht daheim Verrath,Drei Tage noch — gewinnen must du bis da die Stadt!"

Da stand ein Mann im Heere das stärkste Ross ihm ab,

Das trug ihn samt der Wehre wohl in die Stadt zu Raab,

Es that am andern Morgen zum zweitenmal den LaufUnd bracht ihn wohlgcborgcn gen Paßau nun hinauf.

Hier tauschts der Held am Abend für ein schön Füllen aus,Das trug ihn lustig trabend den dritten Tag nach Haus!Fürwahr! das war ein Jagen! bei hundert fünfzehn Rast,

Die ritt in dreien Tagen der gottgesandte Gast.

Zu Achen gicngs gar heiter, da gicngs gar lustig her,

Es dachte keiner weiter des alten Kaisers mehr!

Der zog indes zur Stunde bei einem Wirthe ein,

Nahm sich von Allem Kunde, gieng dann ins Kämmerlein;

Ließ einen Wächter kommen, den hat er ins GcdingAuf diese Nacht genommen für seinen goldnen Ring;

Des Lohnes der sich freute, indes der Kaiser schlief,

Und als beim Frühgeläutc er ihn vom Schlummer rief,