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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
64
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Der Ritter wars. Der fragte: „Wer stört hier meine RuhIn finstrer Nacht?" und machte das Fenster wieder zu.

Allein Richmodis pochte von Neuem mehr und mehr,

Die kalte Nachtluft mochte sie drücken allzusehr.

Der Ritter kehret wieder: „Könnt ihr in Nacht und Graus,Mein Ehherr und Gebieter, mich schließen vor das Haus?

O traget doch Erbarmen, viellieber Hauswirth mein!

Gönnt der erstandnen Armen eur kleinstes Kämmerlein."

So sagt die Frau. Der Ritter erschrickt ob dieser Mär,

Und spricht durchs Fcnstcrgitter: „Mein Lieb kehrt nimmermehr

Isis gleich auch ihre Stimme, ists doch nur ein Gesicht!"

Zu wehren Gottes Grimme er Vs xrotunckis spricht.

Allein Richmodis weinet, hüllt sich ins Todcsklcid,

Fleht, daß ihr nun erscheinet der Herr in ihrem Leid.

„So mögen denn zum Zeichen erst meine Rosse nunHinauf zum Boden steigen statt in dem Stall zu ruhn!"

Sagt er. Und Gottes Güte viel Wunderding vermag,

Zu frein ein fromm Gcmüthc aus schwerer Pein und Klag:Herr Mengis hört die Gäule, wie sic mit schwerem GangZum Söller zieh« in Eile schon seiner Stub entlang.

Da greift ihn Furcht und Schauer, er rennt zu seinem Weib;Die stand an feuchte Mauer gelehnt den müden Leib.

Er weinte, fleht und faßte sie küssend in den Arm,

Trug schnell dann die Erblasste zum Bette sanft und warm.

Herr Mengis, seine Mägde und Diener hocherfreut,

Ein jeder ihrer Pflegte in Lust und Herzlichkeit.

Da ward von allen Seiten viel Treu und Lieb geübt:

Gott kann zur Freude leiten wen er zuvor betrübt.

Auch ward in wenig Tagen Frau Richmod ganz gesund,

Und nach so vielen Klagen ward jung die Hochzeitstund.

Oft schien noch die Geschichte der Frau und ihrem Mann,

Als hätt sie ein Gesichte getäuscht in Trug und Wahn.