Druckschrift 
Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36

Tanten.

Viel Königssöhne kamen dahin von Zeit zu Zeit,

Die alle freien wollten die königliche Maid;

Doch als sie Segard sahen von Webegluth umloht,

Da scheuten ihre Pferde und Mancher fiel in den Tod.

Odins Zanberfeuer beficng die Veste dicht,

Doch um die Marställe draußen brannt es nicht,

Noch wo mein Vater wohnte; auch fiel er nicht in Schlaf.Wohl war cs ihm empfindlich, als mein Verlust ihn betraf.

Da ward aus seinem Stalle Grani, Slcipners Sproß,Verkauft an Fafners Bruder, das windschnelle Ross;

Von dem empfing es Siegfried, als er den Schmied erschlug:Davon ist viel gesungen, ich übergeh es mit Fug.

Roch zornig aus der Schmiede ritt der Degen gut,

Er verhieng dem Rosse Zügel und Zaum im wilden Mutk,Es durfte mit ihm rennen, wohin cs ihm gefiel:

Da war die liebe Heimat seines Laufes erstes Ziel.

Es trug den Unverzagten Brunhildens Burg so nah,

Daß er das Zauberfeucr um Segard weben sah

Und auf dem Thurm bewegungslos das Königsbanner stehn.

Der Drachentödtcr konnte der Vögel Stimmen verstehn.

Da klang es in den Lüften wie Nachtigallenschlag:

„Nun lodert fünfzig Jahre die Glut und einen Tag;

Der sie löscht ist nahe. Wer zu Brunhildens Saal -Durch Webclöhc reitet, der wird ihr Herr und Gemahl."

Der theure Degen hörte, was ihm der Vogel sang;

Doch wie er durch die Flammen den wilden Grani zwang,Da war cs eine Schildburg, beglänzt von Sonnenschein:

Die Schilde schoben willig sich auf und ließen ihn ein.

Da fand er in der Feste die allertiefstc Ruh,

Die Sonne schien vom Himmel, doch Alles schlief noch zu.Die braunen Jagdhunde schnüffelten im Traum,

Die Schlagtauben hatten das Köpfchen unter dem Flaum