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Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter : für Schule, Haus und Wanderschaft
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S ü d e r s e e.

Vor allen in Stavorcn war eine Jungfrau reich,

Ihr Name gieng verloren, kein König kam ihr gleich;

Doch herrisch und verwesten war ihr bethörter Sinn,

Sie hatte Gott vergehen und sann auf nichts als Gewinn.

Zn ihrem Schiffmcister sprach einst die stolze Maid:

Auf, lichte du die Anker, zwölf Monden hast du Zeit;

Doch kehrst du nach Stavoren, so sei dein Schiff beschwertMit dem Edelsten und Besten, das rings der Erdball gewährt.

Da sprach der alte Meister, er war ein weiser Mann:

„Ich bringe, was du heischest, nur zeig cs näher an;

Des Edeln und des Guten ist auf der Welt so viel,

Was dich das Beste dünket, das Edelste, schafft mein Kiel,

„Wofern dein Mund es ansspricht. Isis Korn oder Wein?Isis Bernstein oder Seide, Gold oder Specerein?

Sinds Perlen, sinds Smaragden? Es kostet dich ein Wort,Das Schiff mir zu befrachten mit der Erde köstlichstem Hort."

Sie sprach: „Du must es rathen, du giltst doch sonst für klug;

Wer meinen Dienst erwählte, dem sei ein Wink genug.

Nun last das lästge Fragen: bei meinem Zorn ins Meer!

Das Edelste, das Beste gebracht, ich sage nicht mehr."

Da must er wohl gehorchen; unschlüssig fuhr er ab,

Der Frau Geheiß erwägend, das viel zu denken gab.

Er kannte wohl der Herrin hochmüthig strengen Sinn:

Wie er ihr nun genüge, darüber sann er her und hin.

Am Ende dacht er also: Ich kauf ihr Weizen ein:

Was möcht auf Erden edler, was möchte bester sein?

Man hält in hohen Ehren das herrliche Korn,

Niemand kann es entbehren: so meid ich wohl ihren Zorn.

Da steuert' er gen Danzig und lud zu gutem KaufPolnischen Getreides zehntausend Lasten auf;

Es war der beste Weizen, den je die Erde trug:

Wer des genosten hätte, dem gab er Kräfte genug.