172 Sechs und zwanzigste Betrachtung.
deiner unbchutscunen Zunge an Sich Selbst ab-büßen. Du zürnest über die grausamen undundankbaren Richter; warum zürnest du abernicht über dich selbst, da du ärger bist als dieJuden, und Jcsnm nicht nur einmal, sondernhundert, ja tausend Male durch Unordnungendeines Lebens und durch ungebührliche Wortemit Galle und Essig getränkt hast? Schämedich, bereue und beweine deine Sünden.
Zweiter Punkt.
Erwäge, wie die Worte Jesu: „Es dür-
stet Mich" voll Geheimnisse sind, und die vor-trefflichsten Unterweisungen für uns enthalten.Glaube nicht, Jesus habe aus Begierde nacheiner Erquickung so geredet, und Er habe Was-ser verlangt, um Seinen Durst zu löschen.Nein, Er gab den Durst nur darum zu erken-nen, damit Er zugleich auch diese Pein mit denübrigen leiden konnte. Jesus wußte nur garzu wohl, daß Ihm auf Sein Rufen das bit-terste Getränk werde gereicht werden; Er wolltees aber dennoch, damit auch die Zunge, derMund, der Schlund ihre eigene Oual zu lei-den hätten, und kein Thcil des Leibes vonseinen besonder,! Schmerzen frei bliebe. Ja,als der göttliche Heiland sah, Er werde nunbald mit dem Tode Seine Peinen enden, warEr doch, wie der heilige Bernard sagt, vom