Von den Woblthaten Gottes.
107
Leben hindurch beweinen, daß ich jenen unend-lich gütigen Gott so spät erkannt und so kalt-sinnig geliebt habe, welcher doch allzeit freigebig,allzeit liebreich, allzeit gnädig gegen mich ge-wesen ist.
Aber, o mein Gott! Du hast mir nichtnur diese Wohlthaten erwiesen; es sind nochunvergleichlich größere, bekannte und verborgene,welche Du mir schon erwiesen hast, welche Dumir wirklich erweisest, welche Du mir künftigerweisen wirst. Wer kann sie alle zählen? Waswerde ich aber Dir, meinem höchsten Wvhl-thäter erwiedern? Ich schenke Dir, o mein höch-stes Gut! was Du mir geschenkt hast: ich schenkeDir meine Seele, meinen Leib, die Sinne, dieKräfte, alle Augenblicke meines Lebens. ZurDanksagung für Deine unendliche Güte opfereich Dir eben diese Deine unendliche Güte aufund sage Dir Dank, ich Preise und verherrlicheDich durch Jesum Christum.
Anwendung
Bedenke, wer du bist, der du so viele Wohl-thaten empfangen hast. Du bist ein Wurm, einübcrkleidetes Todtengerippe, der Fänlniß bestimmt,voll Gottlosigkeit, und ein Ungeheuer von Undank.Wer ist Gott? Er ist eine unendliche Herrlichkeit,eine unendliche Größe, eine unendliche Heiligkeit,eine unendliche Güte. Wenn mir Gort nur eineneinzigen günstigen Blick verlieben bätte. so wäre dießschon eine unendliche Wobltbat. O wie Vieles hätte