438
Lieblingsütd der Geizigen.
Ein Lautenist kam an den Hof eines geizigen Fürsten undhoffte große Belohnung mit seinem Saitenspicle zu erringen.Er hätte aber leichter wie Orpheus eine Seele aus der Hölle,als einen Heller aus dieses Herrn Tasche gelockt.
Als er nun lauge seine Töne ohne ein goldenes Echo vordem Fürsten verschwendet hatte, fragte er einen unter den Hof-herrn: Was doch wohl für eine Tonart dem Herrn angenehmsein dürfte? Dieser, ein witziger Kopf, sprach: „Ihr dürft ihmweder aus dem phrhgischen noch lydischen Tone spielen, aus demdorischen Tone hört er es gern."
Der Lautenist verstand den Hofmann wörtlich und spielteaus der dorischen Tonart; aber der Beutel des Fürsten that sichnicht auf. Er klagte das dem Hofmanne, der sprach: „Ihrverstandet mich nicht! Wenn ich sage: Er liebt die dorischeTonart, so spreche ich verblümt und verstehe darunter dieFriedrichsdorische, Louisdorische und dergleichen geränderteTonart. Ihr müßt ihm etwas aus dem Donat vorsingen."
DaS ließ sich der Lautenist nicht zweimal sagen, er sangdem Fürsten alle Declinationen und Conjugationen vor. DerFürst ärgerte sich und befahl ihm aufzuhören mit seinenSchulpossen.
Der Hofmann, dem der Lautenist dies Mißgeschick klagte,erwiederte ihm: „Ihr seid aber auch etwas zu sehr geradezuund versteht die Aufträge fast so wörtlich wie Eulenspiegel.Wenn ich sagte: Aus dem Donat, so verstand ich damit nichtdie alte Grammatik, sondern ich wollte andeuten, daß der Fürst