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4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
422
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Gesicht und fragen: Was gibt's gut Neues? Und dem Lachendengucken sie ins Maul, ob er etwa einen goldenen Zahn habe.Nichts ist ihnen heilig. Ihr Gott heißt Heute, ihr MessiasMorgen, und diesem opfern sie so viel Gestern und Vorgestern,als sie auf der immer und ewigen Treibjagd vor sich bringenkönnen. Und all diese Liebesdienste, wolle Gott, um ein Lorbeer-blatt an den Braten. Ein solches Maul ohne Herz, Hirnund Stirn schämt sich nicht, das Siegel der einsamsten, ernstesten,dunkelsten Stunden eines ehrlichen Mannes zu erbrechen und siemit Schnattern der Emphase zu einem Artikel in das Mode-journal (Januar 1807. Seite 67) umzuarbeiten. *)

Es steht mir nicht zu ein Gesetz auszusprechen, nach welchemsolche Menschen jenen gleich zu achten, welche die Siegel fremderBriefe erbrechen und sie bekannt machen, oder auf fremdenNamen Geld verdienen. **) Denn es ist ja das stillschweigendeunaussprechliche Gesetz der Zucht und Keuschheit, auf welchemalles Vertrauen, alle Freundschaft unter Menschen begründet ist,das sie mit dem Maule zertreten. Aber es steht mir zu, damitich Andern ein Beispiel sei, mich anzuklagen, wie ich vertrauendauf die Heiligkeit des Pfluges, der im Feld ungehiitet sicher ist,meine Schwelle vor solchen Journal-Hexen leider nicht mitheiligem Oele besprengte. Ob es übrigens wahr, daß derUrheber jenes Aufsatzes, wie er sagt, in meinem Hause gewesen,weiß ich nicht, denn es ist gelogen, was dort von meinemSchmerze gesagt wird. Was der Mensch leidet, leidet er vorGott und den Freunden und'nicht vor Zeitungspapageien. Dennder Schmerz, der von Gott kömmt, ist wie die Freude, die von

«) Das damals zu Weimar im Industrie-Comptoir erscheinendeJournal des Luxus und der Moden von(Bertnch wirbgemeint sein.

**) Borgen sollte es wohl heißen.