Der Wegweiser durch Paris.
Ich hatte so Manches von Paris gehört, und was ichgehört, hatte mich mit Trauer und Abscheu vor dieser Stadterfüllt. Ist es ja doch das Laster, welches sich überall und vorAllem in den Hauptstädten, den großen Residenzen des Welt-geistes, schamlos vordrängt und den Pfauenschweif der Welt-eitelkeit mit seinen tausend bunten Farben schillern läßt und mitgellender Stimme den Vorübergehenden seine Reize anpreist;während das Gute in stiller Verborgenheit, in den Hütten desKummers und des Elendes, fern ab von dem Prunk und dengeräuschvollen Festgelagen der Welt demüthig und geräuschlossein Werk vollbringt.
So kam ich nach Paris. Und als ich dort die in allemGlänze berauschte Ausstellung von Lust und Laster sah, als diestete Variation desselben Lügenthumes mich in unzähligen Tage-blättern überall anschrie, so daß Jeder den Sirenengesang derVerführung in seiner Lieblingsweise, seiner Mundart, ja im Tacteseines eigenen Pulsschlages hören kann, da erwachte in mir, ineinzelnen Momenten, das Gefühl, als stehe dieser Ort auf dünnerDecke, wie auf einem Resonanzboden, über dem Abgrunde derHölle und könne jeden Augenblick in die Tiefe stürzen, wie ichals Kind in mancher schönen Sage von stolzen alten Schlössernund ihren gottlosen schwelgenden Herren gehört hatte.
Nachdem ich aber mit so manchen frommen und ernstenMännern bekannt geworden, da lernte ich an ihrer Hand auchParis von einer andern Seite kennen, worauf der gewöhnlicheFremde freilich nicht durch die ungeheuren Anschlagzettel, die