264
mit Wein und bewies mir unendliche Liebe. So brachten wirdie Nacht in steter Angst und Sorge zu. Gegen Morgen hattesie keine Ruhe mehr, sie verlangte nach der alten Mutter; siebeschwor mich, sogleich die Höhle zu verlassen und zu fliehen.Das Schicksal meines Freundes erschütterte mich tief, ich warentschlossen ihn aufzusuchen. Sie schwur mir ewige Treue.Ich versprach ihr, wenn ich sie nach einiger Zeit hier wiederfände, sie zu meiner Frau zu machen Sie lachte und meinte:Sie wolle nie einen Mann, der kein Zigeuner sei, und nunauch keinen Zigeuner; sie wolle gar keinen Mann. Dabeischerzte und weinte sie, tanzte und sang noch einmal vor mir,und als ich sie umarmen wollte, schlug sie mich ins Gesicht undfloh zur Höhle hinaus. Ich verließ den Ort gegen Abend.
Als ich vom Tode meines Fbeundes gehört hatte und zuMitidika zurückkehrte, war ihre Hütte abgebrannt; ich ging nachder Höhle, sie war ausgeplündert. Auf der Wand aber fandich mit Kohle geschrieben: Wie gewonnen, so zerronnen! Ichbehalte dich lieb, thue, was du kannst, ich will thun, was ichmuß. Ich habe das holdselige Geschöpf durch ganz Ungarnaufgesucht, aber leider nicht wieder gefunden; hundert Mitidika's !sind mir vorgestellt worden, aber keine war die rechte." „Esgiebt auch nur Eine," sagte hier Michaly, „und wird alletausend Jahre nur Eine geboren." „Kennt Ihr sie?" sprachDevillier heftig. „Was geht es Euch an," erwiederte Michaly, ^„ob ich sie kenne? Habt Ihr nicht die Ehe ihr versprochen und ^doch eine Ungarin geheirathet? Sie hat Euch Treue gehalten bisjetzt, sie ist meine Schwester, und ich wollte sie abholen, dadie Großmutter in Siebenbürgen gestorben, wo sie sich mitGoldwäschen ernährten, der Pestcordon hat mir aber den Wegabgeschnitten.
Da ward Devillier äußerst bewegt. Er sagte: „Ich habesie lange gesucht und nicht gefunden, sie hatte mir ausdrücklich