Druckschrift 
4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
231
Einzelbild herunterladen
 

231

auf einer kleinen Insel mitten in einem zugefrornen Teichestand und etwa die Hälfte des Weges bezeichnete, den ich zumKirchdorfe hatte. Da hörte ich eine wunderbare Musik, undglaubte Anfangs, es sei etwa ein Zug Bauern, der mit einemDudelsack sich den Weg zur Kirche verkürzte, und so schritt ichderber zu, um mich an diese Leute anzuschließen. Aber jenäher ich kani, je toller war die kuriose Musik; sie löste sichin ein Gewimmer auf, und schon dem Baume nah hörte ich,daß die Musik von demselben herunter schallte. Ich nahmmein Gewehr in die Hand, spannte den Hahn und schlich überden festen Teich auf die Eiche los: was sah ich, was hörteich? Das Haar stand mir zu Berge; der ganze Baum saß vollschrecklich heulender Katzen, und in der Krone thronte mein HerrMores mit krummem Buckel und blies ganz erbärmlich aufeinem Dudelsack, wozu die Katzen unter gewaltigem Geschrei umihn her durch die Zweige tanzten. Ich war Anfangs vor Ent-setzen wie versteinert, bald aber zwickte mich der Klang desDudelsackes so sonderbar in den Beinen, daß ich selbst anfingzu tanzen und beinahe in eine von Fischern gehauene Eis-Oeffnung fiel. Da tönte aber die Mettenglocke durch die helleNacht; ich kam zu Sinnen und schoß die volle Schrotladungmeiner Doppelbüchse in den vermaledeiten Tanz-Chor hinein,und in demselben Augenblicke fegte die ganze Tanzgesellschaft. wie ein Hagelwetter von der Eiche herunter und wie ein Bienen-schwarm über mich weg, so daß ich auf dem Eis ausglittund platt niederstürzte. Als ich mich aufraffte, war das Feldleer, und ich wunderte mich, daß ich auch keine einzige von denKatzen getroffen unter dem Baume fand. Der ganze Handelhatte mich so erschreckt und so wunderlich gemacht, daß ich esaufgab, nach der Kirche zu gehen; ich eilte nach meinem Hofezurück und schoß meine Pistolen mehreremal ab, um meineKnechte herbeizurufen. Sie nahten mir bald auf dieses verab-