Druckschrift 
4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
Entstehung
Seite
194
Einzelbild herunterladen
 

IN4

der seinen Vater aus Ehre selbst fangen und richten lassenmuß, kann seine Schande nicht überleben. Annerl, liebesAnnerl, nimm doch ja das Kränzlein, ich bin dir immer treugewesen, so Gott mir gnädig sei! Ich gebe dir nun deineFreiheit wieder, aber thue mir die Ehre, und heirathe nieEinen, der schlechter wäre, als ich. Und wenn du kannst, sobitte für mich: daß ich ein ehrliches Grab neben meinerMutter erhalte. Und wenn du hier in unserm Orte sterbensolltest, so lasse dich auch bei uns begraben; die gute Großmutterwird auch zu uns kommen, da sind wir Alle beisammen.Ich habe fünfzig Thaler in meinem Felleisen, die sollen aufInteressen gelegt werden für dein erstes Kind. Meine silberneUhr soll der Herr Pfarrer haben, wenn ich ehrlich begrabenwerde. Mein Pferd, die Uniform und Waffen gehören demHerzoge, diese meine Brieftasche gehört dein. Adies, Herztau-sender Schatz, Adies, liebe Großmutter, betet für mich undlebt Alle wohl. Gott erbarme sich meiner. Ach, meineVerzweiflung ist groß!"

Ich konnte diese letzten Worte > eines gewiß edeln unglück-lichen Menschen nicht ohne bittere Thränen lesen.DerKasper muß ein gar guter Mensch gewesen sein, liebe Mutter,"sagte ich zu der Alten, welche nach diesen Worten stehen bliebund meine Hand drückte und mit tief bewegter Stimme sagte:Ja, es war der beste Mensch auf der Welt. Aber die letztenWorte von der Verzweiflung hätte er nicht schreiben sollen, diebringen ihn um sein ehrliches Grab, die bringen ihn aufdie Anatomie. Ach, lieber Schreiber, wenn Er hierin nurhelfen könnte."

Wie so, liebe Mutter?" fragte ich,was können dieseletzten Worte dazu beitragen?"Ja gewiß," erwiederte sie,der Gerichtshalter hat es mir selbst gesagt. Es ist ein Befehlan alle Gerichte ergangen, daß nur die Selbstmörder aus