Dorfe, die Bauernweiber führten mich nach. Ach, das warwohl der schrecklichste Weg in meinem Leben!"
Da ward die Alte wieder still, und ich sagte zu ihr: „LiebeMutter, Euer Leid ist entsetzlich, aber Gott hat Euch. auch rechtlieb; die er am härtesten schlägt, sind seine liebsten Kinder.Sagt mir nun, liebe Mutter, was Euch bewogen hat, den weitenWeg hierher zu gehen, und um was Ihr die Bittschrift ein-reichen wollt?"
„Ei, das kann Er sich doch Wohl denken," fuhr sie ganzruhig fort, „um ein ehrliches Grab für Kasper und die schöneAnnerl, der ich das Kränzlein zu ihrem Ehrentage mitbringe.Es ist ganz mit Kasper's Blut unterlaufen, seh' Er einmal!"
Da zog sie einen kleinen Kranz von Flittergold aus ihremBündel, und zeigte ihn mir. Ich konnte bei dem anbrechendenTage sehen, daß er vom Pulver geschwärzt und mit Blutbesprengt war. Ich war ganz zerrissen von dem Unglücke derguten Alten, und die Größe und Festigkeit, womit sie es trug,erfüllte mich mit Verehrung. „Ach, liebe Mutter," sagte ich,„wie werdet Ihr der armen Annerl aber ihr Elend beibringen,daß sie nicht gleich vor Schrecken todt niedersinkt, und was istdenn das für ein Ehrentag, zu welchem Ihr dem Annerl dentraurigen Kranz bringt?"
„Lieber Mensch," sprach sie, „komme Er nur mit, Er kannmich zu ihr begleiten, ich kann 'doch nicht geschwind fort, sowerden wir sie gerade noch zu rechter Zeit finden. Ich willIhm unterwegs noch Alles erzählen.
Nun stand sie auf, und betete ihren Morgensegen ganzruhig, und brachte ihre Kleider in Ordnung, und ihren Bündelhängte sie dann an meinen Arm. Es war zwei Uhr des Morgens,der Tag graute und wir wandelten durch die stillen Gassen.
„Seh' Er," erzählte die Alte fort, „als der Finkcl undsein Sohn eingesperrt waren, mußte ich zum Gerichtshalter auf