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4 (1862) Der kleinen Schriften erster Theil
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hatte. Da ließ er das Hühnlein laufen, und wo es hinlief,ritten sie nach wohl vier Tage lang und kamen sehr durstig anein Brüunlein, daran saß Lucius, ein König von England, derwar ein Christ worden und reiste nach Augsburg, das Christen-thum zu verkünden, uud hielt hier Ruhe an dem Brünnlein.Das Hühnlein Gallina aber lief auf ihn zu und fraß ihm dasBrod aus den Händen. Deß wundert' sich Belgius sehr, daGallina sonst nicht also kühn war und ein gar blöd züchtigesHühnlein. Da gedachte Belgius, das muß ein frommer, heiligerMann sein, weil das Hühnlein ihn so lieb hat. Als sie abermiteinander sprachen, sagte Belgius dem Lucius Alles von demHühnlein uud dem Salmo, und Lucius sprach so eindringlich mitBelgius, daß er sich mit Weib und Kind von ihm in der Quelletaufen ließ. Darnach reiste Lucius weiter gen Rächten, undBelgius ritt dem Hühnlein Gallina nach, bis sie dahin kamen,wo sie ausgezogen, und nahm Belgius alles das Land in Besitz,und nannte es das Hennegau, weil die Henne es umlaufen hatte. Von dieser Henne Gallina nun ist von damals immer daserstgeborene Hühnlein bei dem Grafen von Hennegau aufbewahretund im Schlosse gefüttert worden, und nennt man es im Landeallgemein Gallina, das fromme Hühnlein, und hält es gar hoch.Es ist ihm eine eigne Pflegerin bestellt, wozu immer die ältestetugendlichste Magd aus dem Frauenzimmer der Gräfinnen genom-men wird, und nennt man diese Pflegerin selbst das frommeHühnlein. Dieses Ehrenamt versieht heut zu Tage JungferVerena, eine gar gottselige Jungfrau. Sie war oben von demRheine her und schon als Wärterin meiner Großmutter in Vadutzgewesen. Es besteht aber das Hühnerhaus des Belgius mitseinem Hof und Gärtchen noch, worin die erste Gallina gelebtund gestorben, und ist ein feines Stübchen darüber erbaut, worinVerena wohnet, und heißt diese Wohnung das Gallinarium. Esist auch ein alt Herkommen, daß das fromme Hühnlein nicht mit