60
alle Christentugend, zu der helfe mir Gott und lege mir einetreue, freigebige, fleißige Hand auf das Herz und ein aufrichtigwahres Herz auf die Hand und auf die Zunge! — Heute brachtemir auch Meister Andreas der Goldschmied die Ordenszeichen,die ich bei ihm bestellt, und war auf der einen Seite ein Windel-kindlein, auf der andern ein Lerchlein, das singend zum Himmelfliegt, abgebildet. Ich befestigte sie an amaranthfarbige Bänder,und zeigte sie meinen Gespielen noch nicht. Wir gingen heut'alle zur Kirche und versprachen einander, morgen bei dem FesteGott unser Vorhaben demüthig aufzuopfern.
Heut' auch besuchte ich nach meinem jährlichen Gebrauche diegottselige Jungfrau Verena und das fromme Hühnlein; und damich Jacob von Guise ermähnt hat, in Allem so zu schreiben,daß es auch die Nachwelt verstehen könne, will ich hier kürzlichvon Verena und dem Hühnlein sprechen. — Vor vielen hundertJahren kam ein römischer Soldat von Pilati Leibwache hier indie Lande; er hieß Salmo und war nach dem ersten Pfingstfestin Jerusalem getauft durch Petrus. Er hatte sich zum ewigenAndenken ein Hühnlein aus Jerusalem mitgebracht, das von demHahn abstammte, der bei Petri Verläugnnng gekräht. Es waraber hier noch Alles wilder Wald und hie und da ein Edelhofmit Feldern und einigen Bauern umher. Auf einem solchenHofe saßen dann Kriegsbeute, die sich häuslich niedergelassen; dielebten von der Jagd, und machten sich so viel Landes Unterthan,als sie umreiten wollten. Belgius, ein solcher Kriegsmann, hattesein Haus hier, wo jetzt mein Schloß steht, und da er in denWald ritt, zu jagen, sah er eine schöne weiße Henne, deren Arter hier zu Land nie gesehen, im Walde laufen. Da folgte er-den: Hühnlein tief in den Wald bis in eine Höhle, - darin einMann gar elendiglich lag. Das war aber Salmo, der römischeSoldat, der war im Walde verirrt und schier Hungers gestorben,und war sein frommes Hühnlein fortgelaufen, ihm Hilfe zu