Vor fünfzehn Jahren machte es mir Freude, die folgendeeinfache Geschichte niederzuschreiben. Sie sollte nur die Einfas-sung mehrerer schöner altdeutschen Erzählungen sein, die sie mitmancherlei Ereignissen aus deni Zusammenleben des alten RittersVeltlin von Türlingen und seiner drei Töchter unterbricht, mitderen Versorgung und der Abreise des Erzählers sie schließt.So lieb ich das Gedicht-hatte, blieb es doch unterbrochen; derSinn der Leser schien dazu zu fehlen. Jetzt, da diese Erzählungmehr, ja selbst die altdeutschen Röcke vor sich hat, fiel sie mirwieder in die Hände, und ich versuche es, sie den Lesern vor-zulegen mit der Erinnerung, daß sie zu pädagogischen Zweckenentworfen worden, als ich von der sogenannten Romantik nochwenig wußte, und daß sie daher neben den allernenesten Nitter-romandichtern in ihrer redseligen Einfalt um Schonung bittet.Sollte dem Leser, durch Eisenfresserei, und isländisches Moosverwöhnt, diese Geschichte wie unsre deutsche Camillen und Hol-lunderblnthe nicht behagen, so bringe er sie einem kranken Freundeoder Mägdlein, denen sie Gott gesegnen möge!
Im Jahr, da man zählte nach Christi, unsers lieben HerrnGeburt 1358 am zwanzigsten Tage des Maimonats hörte ich,Johannes, der Schreiber, die Schwalbe in der Frühe an meinemKammerfenster singen, und ward innigst von dem Morgenliededes frommen Vögeleins erbauet, bedachte auch auf meinem Bett-lein, wie die Schwalbe in daurender Freude lebet, gegen den