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einen großen Einfluß auf die theologische Geistesbildung des Mittel-alters aus.
Anselm, ein eben so scharf- als tiefsinniger Denker, wird inseiner ganzen Bedeutung erkannt, wenn man ihn, wie es geschieht,den Augustinus des Mittelalters nennt. Sein Einfluß war abernicht bloß auf die Pflege und Beförderung des wissenschaftlichenLebens mit großem Erfolge gerichtet, sondern seine Wirksamkeitwurde auch in die inneren Verhältnisse der Kirche und in ihreBeziehungen zu dem Staate tief verflochten. Auf unserem Bildetritt er uns als eine mächtige, starke, auf sich selbst ruhendeGestalt mit klarem, sicherem Blicke entgegen, und so kennt ihn auchdie Geschichte, als eine feste und doch nicht schroffe, in sich voll-kommen sichere Natur, die den Sturm nicht herbeiruft, aber ihnnicht fürchtet, wenn er kommt, und die im Gefühle des Rechtesvor keinem Tyrannen sich beugt.
Anselm war 1033 zu Aosta in Piemont geboren; er starb inseinem 76. Lebensjahre auf seinem erzbischöflichen Sitze in England;zweimal hatte er sein neues Vaterland als Verbannter verlassen müssen.
Das Leben des Lombardus war durch keine Stürme aufgeregt,in seinem Bilde entdecken wir keine Spuren bestandener Kämpfe,erduldeter Leiden, sein Blick ist klar, einfach, ohne Größe undTiefe zu verrathen, wie der Stil des Buches, dem er seinen Rufund Ruhm verdankt. Was Gratian für das kanonische, was Jr-nerius für das bürgerliche Recht, das wurde Petrus Lombardusfür die Theologie. Seine libri IV. sontentiaruin hatten das Glück,welches Lehrbüchern manchmal zu Theil wird, im höchsten Grade.Jahrhunderte hindurch blieben sie das Lehrbuch für die Theologie,und mehr wie drittehalb hundert Kommentare von den gelehrtestenMännern ihrer Zeit suchten die Brauchbarkeit dieses Buches zuerhöhen. Von diesem Buche erhielt Petrus Lombavdus den TitelNaZister sentontiarum, und sein Ruhm rief ihn auf den bischöf-lichen Stuhl vou Paris. Er starb 1164.
Anselm und Petrus Lombardus sind die beiden hervorragendstenGrößen und Namen in der ersten Periode der Scholastik; die beiden