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Wir wenden uns zu der großen Figur, welche mit Nro. 26auf unserer Skizze bezeichnet ist.
In der Entwickelnngsgeschichte der christlichen Litteratur folgenunmittelbar nach den Aposteln die sogenannten apostolischen Väter,auf diese die Apologeten oder die kühnen und gelehrten Sachwalterder Christen, dann das Zeitalter der großen Kirchenväter undKirchenlehrer. Von den apostolischen Vätern erblicken wir denvornehmsten, den h. Ignatius, von den Apologeten, den bedeutend-sten, den h. Justinus, auf unserem Bilde; auf diesen folgen diegroßen Kirchenlehrer; ihre unmittelbare Wirksamkeit reicht in Gre-gor dem Großen bis zum Anfänge des Mittelalters hin. NebenGregor dem Großen erblicken wir nun eine große bedeutsam her-vortretende Gestalt; sie ist in einen großen Mantel gekleidet, undihr Aeußeres zeigt, daß wir bei ihr an keinen Geistlichen, sondernan einen Laien zu denken haben. Man erkennt in ihm einen Ge-lehrten, der von seiner eigenen Meinung ablasse, die in den Büchernausgeführt ist, die zu seinen Füßen liegen; er wendet sich dem h.Gregor, dem Altäre, der Kirchenlehre, zu. Die ganze Stellungund Erscheinung, in welcher uns diese Figur entgegentritt, nöthigtuns, an eine hervorragende Persönlichkeit zu denken. Es gibt aufdem Gebiete der Kunst und der Wissenschaft seltene, überraschendeErscheinungen; sie sind durch nichts,angesagt, durch nichts vorbe-reitet; plötzlich sind sie da, und setzen die Welt oder den Kreis,in dem sie erscheinen, in Verwunderung. Homer steht einzig undallein in seinem Zeitalter da; Dante taucht einzig, wie ein leuch-tendes Meteor aus den Fluthen auf, welche die alte Welt begrabenhaben; und so ist auch auf dem Gebiete der Gelehrsamkeit imMittelalter Scotus Erigena eine Erscheinung, die plötzlich da ist,ohne daß man weiß, wie sie sich gestaltet hatte. Er ist der erstechristlich germanische Philosoph, der Vater der spekulativen Theo-logie im Abendlande; seine Gedanken setzen seine Zeit, die zu dieserHöhe der spekulativen Entwickelung nicht fortgeschritten, nichtentwickelt war, in Bewegung; sie geben den kommenden Jahrhun-derten Anstoß und Richtung, und finden in der Gegenwart, nach-
Braun: Disputa. 7