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was einem Gemälde gegeben werden kann. Freilich ist unter diesemTiefsinn nicht gemeint, das Bild müsse schwer, verwickelt, ge-lehrt und gesucht sein, was sich von manchen Bildern Poussin'sund solchen aus der Schule des Caracci behaupten, und was sichauch in einzelnen Bildern eines des ersten Vertreters der neu-christlichen Malerei nicht verkennen läßt, sondern es ist damit ebenjener Tiefsinn der Seele, des Gefühls und also auch des Aus-drucks gemeint, welcher sich z. B. in der Kindheit der christlichenKunst, und in Fiesole unter den italienischen, bei Hemmling unterden deutschen Malern vor Andern offenbart.
Aus derselben Quelle entspringen andere Eigenthümlichkeitender christlichen Malerei, die gemeinhin aus ganz anderen Gründenerklärt werden, und die man aus der Entwickelungsgeschichte herzu-nehmen gewohnt ist. Man weiß, daß die neugriechischen Künstlermagere menschliche Gestalten darstellten und ihre Figuren über dasgewöhnliche Maaß hinaus verlängerten. Wenn man dieselbeWahrnehmung auch in den Schöpfungen der christlichen Skulpturmacht, so kann man sie hier aus dem Gefühle für das richtigeharmonische Verhältniß erklären, indem man die Bildsäule in demgothischen Dome mit der hohen schlanken, kühn aufstrebenden Säulein Verhältniß und Harmonie setzen mußte. Allein diese Erklärungfindet auf die Statuen der neugriechischen oder byzantinischen Zeitkeine Anwendung, allein schon wegen des anderen in derselben herr-schenden Baustils, und so muß der Grund anderswo gesucht werden.Die alten christlichen Künstler, Maler und Bildhauer, stellen dasHeilige dar, das Heilige aber ist sittliche Vollkommenheit, sittlicheErhabenheit, sittliche Größe. Die sittliche Größe erweckt unsereEhrfurcht, unsere Bewunderung, und so erscheint sie uns auch imAeußeren dargestellt groß. Daraus erklärt sich die Thatsache, daßdie ältesten christlichen Maler diejenigen Figuren, welche andere anHeiligkeit und Würde und Verehrung überragten, größer als alleanderen darstelltcn. Dies war aber nicht die Erfindung der christ-lichen Maler, sondern die hervorragendsten Künstler des klassischenAlterthums waren ihnen hierin vorangegangen. Von dem Apollo