An der Geschichte Constantin's des Großen treten zwei Tat-sachen von nncrmeßlichen Folgen vor anderen hervor; die erste,daß er sich zum Christenthnm bekannte und daß er dasselbe zurReligion des Staates erhob; die zweite, daß er die Residenz desReiches nach Constantinopel verlegte. Von dieser letzten Thatsacheausgehend, theilt sich der Strom der Geschichte der römisch-christ-lichen Welt in zwei Arme, der eine geht in trägem, schleichendeinGange durch das byzantinische Reich, der andere nimmt seinen Laufdurch die übrigen Länder der Christenheit; ungeheure Hindernissewerfen sich seinem stillen Gange entgegen, er bäumt sich schäumendin wilder Empörung zurück, wirft die friedlichen Ufer nieder undgleich einer neuen ogygischen Flnth wälzt er seine Wogen überblühende Felder und Fluren, begräbt Dörfer und Städte unterdenselben und die Ansammlungen des Fleißes und der Kunst vonJahrhunderten. Aber, nachdem seine Wogen sich allmählig verlaufen,steigt der Boden, durch große elementarische Mischungen vorbereitet,als fruchtbare Pflanzstätte neuer herrlicher Gestaltungen in Kunstund Wissenschaft, im Leben und Verkehr und in allen Erzeugnissenund Künsten des Friedens hervor.
Wir folgen mit schnellen Schritten, das Ziel dieser Darstellungenim Auge, dem ersten dieser beiden Strömungen.
Das Heidcnthnm war in dem dreihundertsährigen Kampfe mitdem Christenthnm unterlegen, aber der heidnische Staat blieb inseinen vornehmsten Einrichtungen nach diesem Siege über die heid-nische Religion bestehen; in dem byzantinischen Reiche wurden beideElemente, die christliche Religion und der römisch-heidnische Staatmiteinander verschmolzen; und aus dieser Mischung und Verschmel-