^ Zeugniß für die gönl. Herrlichk. u. Wahrheit,
uns allen so gerecht; und wir sind so klug, daß wir uns die-se Methode gerne gefallen lassen, wollen sie auch bey denUnsrigen durchaus angebracht wissen. Warum schreibenwir denn unserm eigenen Verstände nicht eben bis so noto.risch Gute und von aller Welt gut befundene Gesetze vor?Warum binden wir uns nicht auch selber an die Regel andie wir sonst jedermann uns und den Unsrigen zu Liebe undGute gebunden wissen wollen? Handeln wir darinnen nichtparteyisch und nach einer sehr ungerechten Eigenliebe?
Allein, wir wollen vielleicht gerne zuviel wissen, oder dochdafür angesehen seyn; darum sehen wir uns nach alle dem sobegierig um, was irgend einigen Schein einer hohen Wis-senschaft geben kan. Wir halten die ehrliche Bekenntniß,
diß
„gar nicht gleich, weder an Glantz noch an der Grösse, noch„an andern Eigenschaften. Derjenige ehret Gott höher und„wahrhaftiger, (wie ich davor halte - wer gern erkennet,daß„auch die besten Gedancken seines Verstandes viel, ja uncnd-„ lich viel geringer seyn, als die unendlichen Vollkommenhei-ten seines Schöpfers: ein solcher, sage ich abermal, ehret„Gott wahrhaftiger, als wer Gottes sonderbare Tugenden„ und Eigenschaften mit vielen grossen Worten beschreibet.„ Und hier werd ich zu billigem Eifer bewogen, dessen hier zu ge-teilten. Wenn wir uns zuschamen haben, da wir dashöchste„ Wesen so schlecht loben und ehremwie vielmehr werden künftig„diejenigen mit Schanden bestehen, die nicht allein unachtsam,„sondern gar theils mitVerachtungen theils mitZweifel von dem„unendlichen und vollkommensten Wesen reden; dem sie doch„selbst ihre Gemüths-Kräfte, so sie mißbrauchen, und ihreinig und allein zu dancken haben. Für meinen„ Theil will ich mich nicht unterfangen, dem ewigen Gott ei-tle Lob-Rede zuschreiben; weil wir leichtlich von Ihm zuviel„(unanständiges) niemals aber genug reden können: sondern„es soll mir genug seyn, in tiefster Demuth seine Vollkom-„menheiren anzubeten; indem, wenn ich sie lobe solches„ mebr mein Unvermögen, als derselben Vortrefflichkeit aus-„ drücken würde: da auch, wenn gleich das allerbeste von die-„ stin unaussprechlichen Wesen gesagt würde, solches dessen„Vortrefflichkeit nimmer erreichen könte, ebendarum,weil„ es »ur mit Worten tönte und müste ausgedrückt werden re.