Von Babylonien und Thaldäa. 401
Gebäude durch ungeheure über einander gebauete Schwib-bögen unterstützet, und durch eine Mauer, 22. Fuß dick, diees auf jeder Seite umgab, feste gemacht war. Oben aufden Schwibbögen lagen zuerst breite platte Steine, 16. Fußlang und 4. breit, über denselben war eine Lage von Rohr,mit ein Haufen Bitumen oder hartzigker Materie vermen-get, und über diesen zwey Reihen Ziegel über einander, undmit festem Gips zusammen geküttet, endlich über diesem al-len dicke bleyerne Platten, und denn auf dem Bley der Bo-den oder die Erde, welche so tief darauf lag, daß die gröstenBäume Raum gnug hatten, darunter zu wurßeln, wie dennauch überall in jeder Terrasse allerhand Bäume, Pflanßen,Gewächse und Blumen, die zu einem Lust-Garten gehören,gepflantzet waren. In der obersten Terrasse war eine Was-ser-Leitung, oder künstliche Wasser-Pumpe, dadurch das Was-ser aus dem Strom hinangezogen wurde, welches den gantzenGarten wässerte. Nebucadnezar soll dieses erstaunendeWerck der Eitelkeit, insonderheit seiner Gemahlin ^myiti«zugefallen aufgerichtet haben, weil selbige eine MedischePrintzeßin war, die zu der bergichten und waldichten GegendMedienS noch immer grosse Beliebung hatte, und von derArt in Babylon, als einem ebenen Lande, nichts hatte.Sonst scheinet, daß Nebucadnezar in seinen hochmüthigenGedancken, auf der obersten Terrasse dieser schwebenden Gär-ten, von wannen er die gantze Stadt übersehen konnte, her-um spahiret sey, als er darauf in die Wildniß verstossenward, Dan. 4.26.27.
Der Tempel des Belus, oder wunderbare Thurn zu Ba-bel, welcher gleich an dem alten Schlosse stunde, nahmauch«inen von den viereckigten Plätzen der Stadt ein, d^von aberanderswo mit mehrerm gehandelt worden, e)
Von den Dämmen oder Mauren deö Euphrats, von denkünstlichen Canälen und der grossen Kunst-See ist nur in vor-
her-
e) Siehe meinen VI. Th. 8eLt. r. c. l. p.z?!. und
Bibl. d-lstkemst. p. 294. lg.
Bibl.Geogr. Cc