Druckschrift 
Aus dem alten Düsseldorf : vierzig malerische Ansichten nach Original-Gummidrucken
Entstehung
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Rheinseite gänzlich umgewandelt. Die Kaianlagen sind wohl sehr praktisch und großzügigangelegt und die Rheinufer-Promenade ein beliebter Weg, von dem sich das Getriebe aufdem Rheinstrom besonders bei sinkender Sonne mit Entzücken beobachten läßt. Die Formender Anlage aber lassen kalt, sie sprechen nicht die Sprache der alten Stadt und für dieOpferung der alten charakteristischen Bauwerke wie das Kohlentor, Rheintor und der alteDrehkran, bietet die Architektur der Rheinufer-Anlagen kein fühlbares Äquivalent. Mankönnte sie in jeder modernen Stadt, die an einem Flusse liegt, anbringen, so wenig Typischeswürde sie uns dadurch nehmen oder geben. In der Altstadt selbst fällt ein alter Bau nachdem andern großen Warenhäusern zum Opfer. Schon plant man auch, das alte Rathaus zuvernichten und das Jan Wellm-Denkmal umzusetzen. So scheint denn das Schicksal Alt-Düsseldorfs besiegelt, wenn nicht die alte Liebe zur alten Stadt wieder aufglüht und den zer-störenden Elementen Einhalt geboten wird. Unser Auge muß wieder die Schönheit in demalten niederrheinischen Backsteinbau finden und unsre heimischen Baukünstler müssen ihreAufgabe darin suchen, unser eigenartiges Stadtbild nicht durch Bauten in fremden Formenzu zerstören, sondern im Geiste der heimischen Formen Neuschöpfungen hervorzubringen.Solange man aber noch nicht über die Beispiele unserer heimischen Baukunst hinaus-geschaffen hat man hat ja bisher überhaupt noch nicht begonnen müssen alle altenHäuser, Plätze und Anlagen als unantastbares Gut gehegt, gepflegt und mit allen Fasernunseres Herzens geliebt werden.

Düsseid orf, im November 1907.

D- Erwin Quedenfeldt.

Die vorliegenden Blätter sollen, wie ersichtlich, von einigen charakteristischen Bautenaus dem alten Düsseldorf nicht scharfe und kalte Photographien mit genauer Wiedergabealler Einzelheiten darstellen, sondern, obwohl sie auf photographischem Wege entstandensind, durch die individuelle Behandlungsweise und Ausführung mehr den persönlichen Ein-druck wiedergeben, welchen die eigenartigen Bauten mit ihrem malerischen Linien- und Licht-spiel in dem Urheber hervorgerufen haben. Mögen sie in diesem Sinne aufgenommen werdenund die alte Liebe für Heimatkunst wieder erwecken, aus der heraus unsre Vorfahren einendem Niederrhein so eigenartigen Stil entwickelt haben und den weiter fortzusetzen und zuhöchster künstlerischer Blüte zu führen, eine große Aufgabe unserer heimischen Baukunstsein sollte.

Die Idee der Herausgabe dieses Werkes und die Auswahl dieser Blätter stammt vonProfessor Peter Behrens, ehemal. Direktor der hiesigen Kunstgewerbeschule. Die Holz-schnitte im Vorwort sind von Gruschka und Rapsilber, Schüler der hiesigen Kunst-gewerbeschule, gezeichnet, die Wiedergabe des Stiches ,,Der alte Marktplatz auf demTitelblatt erlaubte der Verleger Schulgen hier; einige Blätter das Bergertor, das alteGymnasium, das Speesche Wohnhaus, das Gemälde von van de Velde und die alte Garnison-kirche wurden nach alten Photographien im hiesigen Altertumsmuseum hergestellt; dieSchrift für die Umschlagmappe schrieb Fräulein Anna Simons-London; die Druckplattenfertigte die Schriftgießerei Gebr. Klingspor in Offenbach an; das Papier, den Druck unddie Umschlagmappen lieferte die Buch- und Kunstdruckerei August Bagel hier.