Druckschrift 
7 (1852) Comoedien
Entstehung
Seite
156
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Worte seines Briefs:Ich lebte nicht, mein Leben war einödes, dunkles Meer, da zogst du über mir herauf, du stiller,voller, liebevoller Mond, die Ufer, die freudigen Lebensuferwachen rings in mildem Glanz, und Ebbe und Fluth ström'^ ich mit Sehnsucht zu dir hin, und flieh ich ohne Ruhe in michzurück, o soll ich nimmer denn ein Mensch geworden sein!o steig aus mir hervor, du Liebcsgöttin!" Du armer,kranker Mann, o wäre nicht dein Unglück die Bedingniß deinerLiebe!

P c> n c c (hinter der Scene).

O weh! verhaßter Brief?

Jsidora.

DaS ist seine Stimme, ich wollte, er wäre freundlich undkäme zu mir her- er kommt ach, ich verliere den Muth!

(Versteckt sich.)

Vierzehntrr Auftritt.

Poncc hat den Brief in der Hand, Jsidora sitzt anf der andern Seite derStatue, er bemerkt sie nicht.

Ponce (sieht in den Brief).

Sind diese Worte nicht freundlich sind sie nicht flehend?Und hat sie denn kein Herz? Ach! ist die Liebe dann nurstumm, und ist die Sprache nur fürs todte Leben? O dannverstumme, armer Mann o dann verwandle mich, allmächt'gerGott! laß mich zur Blume werden, die ihr entgegen duftendarf, zur stillen Lilie, die an ihrem Fenster blüht, die Sonnesollte mich nicht erschließen, nur ihrem Auge wollt ich diestumme Lippe öffnen' (er sieht die Statue des Apoll an, hinter derJsidora sitzt), o wäre ich des ernsten Gottes Bild, der sanfteTodespfeile sendet, der alles Lebens, aller Liebe Zaubereibeherrscht, der Lieder gibt und Töne, sie würde dann an mirvorüber gehen und ihr Gemüth an mir erheben, und ihreheiligsten Gedanken dächte sie vor mir o Jsidora!