XIV
uns vorgeführt werden, äußert sich Clemens in dem schonangeführten Briefe an Runge in folgenden Worten:
„Ich habe Ihnen oben auszusprechen gesucht, wie dasLeben mein Gemüth grundirt hat, und wie in mir einebestimmte, individuelle Liebe zu gewissen Kunstgenüssen ent-standen ist.
„Während ich Solches erlebte, entstand in mir unbewußtdie Begierde, ein Gedicht zu erfinden, wie ich gern eineslesen 'möchte, und, was mir nicht begegnet war, gewisseBilder und Zusammenstellungen begegneten mir immer wieder.Ich schaute sie mit gleichem Genüsse an, ihre Farbe wurdemir bestimmt, und ich entschloß mich, sie in einem historischenVerhültniß zu einer ganzen Begebenheit anszubilden, die baldauch ein Schicksal, eine Nothwendigkeit, ihren Himmel, ihreErde, Leben und Tod empfing. Ich bildete sie in einzelnenRomanzen ans, die alle klar und bestimmt, ohne vielen lyri-schen Erguß, meist handelnd sind, und empfand bald, daß siemein gehörten, daß sie von mir waren und daß sie micherfreuten. Ich theilte sie den verschiedensten Menschen mit;sie machten Allen einen gleich angenehmen, ernsten undrührenden Eindruck, und ich gewann diese Arbeit lieb, vonder ich leider durch betrübende Zeit- und Selbstverhältnissenur zu oft getrennt wurde. Die Hälfte ungefähr liegtfertig; der Plan des Ganzen ist es auch, und ich bin in derLage und Muße, den Rest bald zu vollenden. Der Titel