6r Von dem Minde.
auf die Nachmittags-Winde blasen, so hat man warme Nach-ke, und muß sich wundern, wie es in einer einigen Nacht so sehrgewachsen. Wenn aber auf windstilles Wetter, bey hellenSommer-Tagen, da die Hiße unerträglich wird, auch dazuwarme Winde blasen,und der Regen aussen bleibet, so trocknetder Erdboden aus, und den Gewächsen entgehet aller Saft,daß endlich alles vor Hitze gleichsam verbrennet und verdorret.Und aufsolche Weise bedienet sich Gott des Windes, als einesMittels den Erdboden mit Unfruchtbarkeit zu strafen, Es. 40,7. Ps. iOZ, r6.
§. io. Durch kalte Winde wird die Luft abgekühlet,und die Hitze gemäßiget, daß sie Menschen und Thieren nichts»beschwerlich fället, Cank. 2,17. Hingegen wenn der Wind indenhellenSommer-Tagen sich leget,so wird eine unerträglicheHitze,daß Menschen undVieh verschmachten müssen.Denn dieLuftistalsdennzumAthemholen gantz ungeschickt, daß es nicht andersist, als wenn man ersticken wollte, con 5 . Jer. 14, 6. und dieAusdünstungen des Leibes können sich nicht so frey durch die Luftzertheilen, sondern der Schweiß sammlet sich und bleibet stehen.Wenn auch im Sommer, da die Sonne am wärmesten schei-nen und die Erde erwärmen soll, sonderlich bey trüben Wetter,kalte Winde wehen, so wird ein kalter Sommer, und gar öf-ters der Wachsthum gehindert, daß die Früchte entweder gleichim Anfange verderben, oder nicht zu ihrer rechten Reiffe ge-langen.
§. n. Die Winde subren die fünfte in der Luft überalle Länder, Städte und Dörffer, Wälder und Felder, aus ei-nem Ort inden andern, theils zerstreuet, theils inWolckenzu-sammen gezogen; und dadurch bekommt man Thau und Re-gen, der gnug ist, das trockene und dürre Erdreich durchzu-weichen, wie es der Wachsthum derPflantzen erfordert, con5i Reg. 18,45. 2 Reg. z, 17. Prov. 25,14.2z. Wenn aber Win-de, die Wolcken und Regen bringen, zu einer Zeit kommen, dadie Sonne die Erde am meisten erwärmen sollte; so machen sieeinen kalten Sommer, und wenn sie des Regens zu viel brin-
> gen,