Druckschrift 
Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

151

wenn Jemand heraussähe; aber es sah Niemand heraus,das ganze Haus war so still wie ein Kloster. EinigeBauernweiber gingen mit Schüsseln unter den Schürzenin das Haus, andere kamen mit leeren Schüsseln untermArme heraus; sie begrüßten sich still; sie hatten die Hoch-zeitsgeschenke für den jungen Pfarrer in's Haus gebracht,der ja morgen öffentlich getraut wurde mit seiner heiligenBraut, der Kirche.

Die Abendglocke läutete, Valentin ließ die Hand seinesSohnes los, der schnell seine Händchen faltete; auch Va-lentin legte über dem schweren Handwerkzeuge die Händeüber einander und betete ein Aoe.-

Andern Morgens schaute ein Heller Tag auf das Dorfherab. Jvo wurde schon früh von seiner Mutter schönangekleidet, mit einem neuen Janker von gestreiftem Man-chester und, wie ihm schien, silbernen Knöpfen und frischgewaschenen kurzen ledernen Beinkleidern; er sollte dasKruzifix tragen. Gretle, die älteste Schwester Jvo's, nahmdiesen bei der Hand und führte ihn auf die Gasse, damitesPlatz im Hause gebe." Sie schärfte ihm ein, daßer ja nicht mehr zurückkehren solle; dann eilte sie ge-schäftig in's Haus zurück. Jvo ging das Dorf hinein,überall standen die Männer und Burschen in Rädchen aufder Straße; sie waren nur in halbem Putze, ohne Jackeoder Rock, die weißen Hemdärmel zur Schau tragend.Hier und dort sprangen Frauen und Mädchen ebenfallsohne Mieder, mit halb aufgelösten Haaren und das flat-ternde rothe Wickelband in der Hand tragend, von einemHause in's andere. Es erschien Jvo als eine grausameTyrannei seiner Schwester, daß er so aus dem Hause ver-stoßen war. Er wäre auch gar zu gerne wie die großen Leutezuerst in Negligee, und dann unter dem Geläute der Glockenin voller Pracht erschienen; aber er wagte es nicht, wiederzurückzukehren noch irgendwo sich niederzulassen, aus Furcht,seine Kleider zu verderben. Behutsam ging er so durchdas Dorf. Wagen an Wagen brachte fremde Bauern undBäuerinnen, aus den Häusern wurden ihnen Stühle zum