150
f
Valentin gab dem kleinen Ivo auch sonst immer „etwaszu schaffen;" er mußte.den Bindfaden auf die Spule wickeln,das (Handwerks-) „Geschirr" zusammentragen, oder dieSpäne auf einen Haufen sammeln. Mit einem Ernst undemsigen Geberden, als ob er das größte Werk vollführe,befolgte Zvo seinen Auftrag, und als er einmal als Be-schwerungslast auf die Spitze eines schwanken Balkenssitzen mußfe, zitterten ihm die Bewegungen der Säge sodurch alle Glieder, daß er beständig laut auflachen mußteund fast herunterfiel, er hielt sich aber fest und bemühtesich, sein gewichtiges Amt still zu vollziehen.
Das Gerüste war endlich fertig. Der Sattler Ludwigwar bereit, die Teppiche anzunageln. Ivo wollte ihmgleichfalls dabei helfen, aber der barsche Mann jagte ihnfort, und Ivo setzte sich still auf die zusammengelesenenSpäne und schaute hinaus nach den jenseitigen Bergen,über denen die Sonne glühendroth unterging. Da hörteer den Pfiff seines Vaters, er sprang auf und eilte zu ihm.
„Vater," sagte Ivo, „wenn ich nur einmal in Hoch-dorf wär'."
„Warum?"
„Gucket, das ist ganz nah beim Himmel, und damöcht' ich einmal 'naufsteigen."
„Du dummes Kind, das ist nur so, wie wenn dortder Himmel aufstehen thät, hinter Hochdorf ist noch weitbis Stuttgart, und von da ist es auch noch weit bis inden Himmel."
„Wie weit?"
„Man kann eben nicht hinkommen, bis man todt ist."
Seinen kleinen Sohn an der rechten Hand führendund am linken Arm das Handwerkzeug tragend, gingValentin durch das Dorf. Ueberall wurde gescheuert undgewaschen, die Stühle und Tische standen vor den Häusern;denn jedes erwartete zu der heiligen Handlung auf morgeneinen Besuch aus einem nahen oder entfernten Dorfe.
Als Valentin an des Schneider Christle's Haus vor-über ging, langte er an seine Mütze, bereit sie abzuziehen,