der Distelfink flog vorn Kirschbaum fort. Da sahen dieMädchen den Jäger von Mühringen in ein Repsfeld sprin-gen, sein Hund ihm voraus. Der Jäger hob einen Rei-her in die Höhe, »raufte eine Feder aus, steckte sie aufden Hut, schob den Vogel in die Jagdtasche und hingsich seine Flinte wieder um; es war ein schöner Mann,wie er so aus dem grünen Felde daher kam.
Das Tonele sagte: „er hätt' doch das Thier am Sonn-tag leben lassen können."
„Ja," sagte Bärbele, „die Jäger sind alle keine rechtenChristenmenschen: sie können nichts als die armen Bauernwegen Holzfrevel in den Thurm und die unschuldigen Thiereum's Leben bringen. Der grün' Teufelsknecht hat nochvergangen'*) des Bläsis Käther auf vier Wochen in'sSpinnhaus gebracht. Ich möcht keinen Jäger heiren**)und wenn er mir weiß nicht was versprechen thät'."
„Die alt Ursel hat mir einmal erzählt," sagte Bri-gittle, das jüngste von den dreien, „daß ein Jäger jedenTag ein lebiges Wesen todt mache» muß."
„Das kann er genug haben," lachte Bärbele, undwies ihn an das Ungeziefer.
Unterdessen kam der Jäger näher. Wie auf eine Ver-abredung begannen alle drei Mädchen zu singen; sie woll-ten thun, als ob sie den Jäger nicht bemerkten, und dochsangen sie in ihrer Befangenheit nur mit halber Stimme undsummten nur so vor sich hin den letzten Vers des Liedes:
Ein falschen Sinn, ein hohen Muth,
Drei Federn trag' ich auf meinem Hut;
Und weil ich mein Schätzle verloren hab',
So reis' ich gleich wiederum ab.
„Guten Tag, ihr Jungfern, warum so leis?" fragteder Jäger stehen bleibend.
Die drei Mädchen fingen an zu kichern und hieltensich ihre Schürzen vor den Mund; Bärbele aber gewann
*) Vor Kurzem.
Heiratheu.