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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
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In doppelter Heimlichkeit, sowohl vor dem Vater als vorden andern Dorfbewohnern, übten die Mutter und ihreTöchter ihre fromme Wohlthätigkeit; gleich als ob esDiebstähle wären, trugen sie Kartoffeln, Korn und Mehlin den Schloßgarten, wo die Armen ihrer warteten.

Die Mutter hielt Alles das nicht mehr aus, sie gingzu ihrem Vater und klagte ihm ihre Noth. Der alteStaufer war ein besonnener, ruhiger Mann und wolltesichern Weges gehen. Er schickte daher zuerst seinen Hof-juden Marem nach Nordstetten, damit er insgeheim aus-kundschafte, wer denn eigentlich die Rädelsführer bei demProzesse seien, und ob sich nicht ein Vergleich machen ließe.Der Marem war aber gescheiter als der alte Staufer,trotzdem dieser schon fünfzehn Jahre Schultheiß war. Erließ durch einen Bekannten in Nordstetten das Gerüchtaussprengen, der Schloßbauer habe es dahingebracht, daßeine kaiserliche Commission auf Unrechts Kosten nach Nord-stetten kommen, die Sache untersuchen und dort bleibenwerde, bis sie entschieden sei. Dann kam er selber undging unmittelbar zu den Hauptleuten, sagte ihnen, daßer gegen eine bestimmte Vergütung einen Vergleich zuStande bringen wolle, obgleich es sehr hart halten werde;er sicherte sich so auf beiden Seiten einen Vortheil.

Was helfen aber alle noch so feinen Finten bei Men-schen, die bärenmäßig drein schlagen und alle Berechnun-gen und Kunststücke zu Schande machen?

Der alte Staufer kam, mit ihm Marem. Sie gingenin Begleitung des Schloßbauern nach dem Wirthshause,wo sich die Wortführer versammelt hatten.

Guten Tag, Herr Schultheiß," sagten die Versam-melten zu den Eintretenden; sie thaten, als ob sonst Nie-mand als der Gegrüßte eingetreten wäre. Der alte Stauferfuhr zusammen, ließ aber doch alsbald zwei Flaschen Weinbringen, schenkte ein und sein Glas ergreifend, stieß erdie andern Gläser an und trank den Versammelten zu.Da sagte aber der Schlosser Ludwig:Wir nehmen's fürgenossen an, wir trinken aber nicht. Allen Respekt vor