Zehntes Capitel.
Innere Zerwürfnisse
Nachdem die Fürsten siegcöfroh in die Stadt znrückgckehrtwaren, gönnte man sich zunächst Ruhe und Erholung nach so vielMühseligkeiten. Antiochien wurde von allen Resten der türki-schen Besatzung gesäubert, die Kirchen neu geweiht, der Patri-arch wiedcreingesetzt. Sonderbar, und so viel ich sehe, sonstunbegründet, ist die Vorstellung, welche Albert darüber mittheilt:er sagt, sie hätten den Patriarchen in aller Ehrfurcht und Un-terwerfung zum Fürsten der Stadt gemacht und ihm daraufBoemnnd als Vogt — nävacalus — an die Seite gestelltSah man nun weiter umher, so hätte cs scheinen können,der Kreuzzug sei im Wesentlichen zu seinem Ziele gelangt,und ein rechtes Hinderniß für die Besetzung mehr als dieEroberung Palästinas nicht weiter vorhanden. Die Machtder Seldschuken war völlig gebrochen, die Griechen und Fati-midcn standen in unwirksamer Ferne, ein ernsthafter Widerstandbis vor die Thorc von Jerusalem war nirgendwo zu erwarten.Jetzt aber, durch keine Furcht vor äußern Angriffen zurückgchal-tcn, begann im Mittelpunkte des Kreuzhccres selbst eine neueEntwicklung, welche die Beendigung des Krieges fast um einJahr noch hinausschob und von vorn herein den Charakter desHeeres wesentlich nmgestaltete. Um sie im Einzelnen kennen zu
1) -un. v. i.