Viertes Capitel.Aussichten im Morgenlande.
Wir sahen bisher, wie die innere Entwickelung des Abend-landes eine mächtige Einheit geistlicher Herrschaft gegründet,in dieser die Thcile der damals verfallenden weltlichen Machteznsammcngcfaßt und sogleich zu einem gewaltigen Angriff nachAußen sich erhoben hatte. Die Rüstung war beschaffen, wiedie Macht, welche sic unternommen; der Gedanke des Unter-nehmens gab ihr den einzigen Zusammenhang, den sie übcr-baupt besaß; in diesem Sinne war der Ausspruch, Christus seider alleinige Feldherr des Unternehmens, zur Erfüllung ge-kommen.
Damals aber, als diese durch Religion und Streitbegicrerregten Lateiner an den Grenzen ihrer heimathlichcn Welt, anden Ufern der Donau und des adriatischcn Meeres angclaugtwaren, befand sich das Morgenland, das Ziel ihres Angriffs, innicht geringerer Bewegung. Mit rascher Energie hatte sich ausdem östlichen Asien her, ans der einen Seite die ägyptischenFatimidcn, auf der andern das griechische Kaiserthum bis zurVernichtung bedrohend, das Reich der Seldschukcn erhoben;drei thatkräftigc Regenten hatten seine Ausbreitung und seineEinheit gegründet, und bis zum Jahre 1092 ein unbczweifcl-tes Ucbcrgcwicht in den weiten Ländcrmassen Wcstasiens be-hauptet. Im November aber des angegebenen Jahres starb'Melek Schah; in dem Mittelpunkte des Reiches, nntcr denSöhnen des Sultans selbst kam cs zu heftiger Reibung und