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wie wenig er dauernd krank gewesen, wird uns sogleich deutlichwerden. Anzunehmen, er sei erkrankt und nur früher genesen,als »ns gesagt wird, hieße der Sage ihren besten Gehalt rau-ben, um der Geschichte ein unverbürgtes Factum zu gewinnen.Nur die Verbindung der früher» Thatcn und Leiden mit demKrenzzng gibt dieser Ucbcrlicferung einen, wenn auch nicht ge-schichtlichen, wohl aber poetischen Werth.
Die bisher angeführte» Sagen sind nun ohne Zweifel demganzen Abendlandc gemeinsam; sie lehnen sich an die großenGegensätze an, in welche dasselbe damals aufging, und zeigenmehr die Verherrlichung eines allgemeinen himmlischen Berufes,als das Gepräge einer besonder» nationalen Vorliebe. Jndcßwenn das Abendland den Herzog von Lothringen als den Schmuckseiner Gesammthcit feierte, so blieben die Gegenden, die seineJugend geschn, nicht zurück in der Darlegung ihrer besonder»Ansprüche, und in enger» und weitern Gebieten suchte man ihnund seine Thatcn in einheimische Sagenkreise hineinzuzichn.Wie wenig jene Zeit zwischen Dichtung und Geschichte zu un-terscheiden verstand, beweist uns hier eine Acußcrnng des Bi-schofs von Tyrns'w): wir übergehn, sagt Wilhelm, die Fa-bel vom Schwane, obgleich sehr viele die Wahrheit derselbensicher behaupten. Der Erzbischof persönlich will also für ihrenhistorischen Gehalt nicht einstehn, aber der Anführung hält ersic doch wcrth und jedenfalls hatte sie ein halbes Jahrhun-dert hindurch bei mehreren Berichterstattern Glauben gefun-den. Daß wir hier uns aber auf einem weiten Boden derSage und des Romans befinden — nicht gerade bewußter Er-findung — wird ans den folgenden Bemerkungen bestimmt her-vorgchn.
Görreö hat in der Einleitung znm Lohcngrin so) sehr schönentwickelt, wie die Sage vom Schwancnriltcr, obgleich durchNord- und Südfrankrcich verbreitet, ihrem Ursprung nach wc-
29) Will. IX. 6-, wiederhol! bei Lllieeiv. ->>I -l. 107s.
30) ?. 59 ff.