214
hielt sich aufrecht und ließ die Idee ihrer Herrschaft nicht mehrerschüttern.
Und nun bedenke man den Zustand von 1094 ?a), man be-denke , daß die Sicgcsfrcudc nie größer ist, als gleich auf demFelde der gewonnenen Schlacht, wo nur augenblicklicher Erfolg,nicht endlicher Ansgang und möglicher Wechsel dem Glücklichensich darstellt. Wie wäre es denkbar gewesen, daß ein Geist,wie der Urbans, rüstig, schöpferisch, voller Lust am Handeln,hier stehn geblieben wäre, daß er diese Macht in seiner Handgefühlt hatte, ohne ihre Kraft und ihre Einheit an einem gro-ßen, andauernden Unternehmen zu erproben? Gregor VII.Beispiel, in seiner Absicht auf Griechenland, lag vor Augen;freilich hatte er, seiner starren Eonscqncnz gemäß, sogleich ansihre Verwirklichung verzichtet, weil er den bisherigen Wirkungs-kreis noch nicht völlig beherrschte. Aber in Urban war einmal einefreiere Art zu sein und zu handeln, eine größere Beweglichkeitbei weniger Tiefe, noch stand er in den Jahren, wo das Betre-ten unbekannter Bahnen eher erfreut, als znrückschrcckt 75). Dannaber stellte er sich von vorn herein die Aufgabe selbst verändert:auch hier ließ er den Kräften, die ihm dienen sollten, größereFreiheit, er begnügte sich, wie in den weltlichen Dingen desAbendlandes, mit einer unbestimmteren aber um so wenigerangefochtenen Oberleitung. Vor Allem kam er mehr als Gre-gor der ascctischen Richtung entgegen; Gregor hatte sein Zielnur in dem Sinne seiner kirchlichen Monarchie gewählt, Urbansetzte es sich aus dem Felde, welches jenen Mystikern vor Alleingenehm sein mußte. Indem er die Lande zu der Befreiung desheiligen Grabes aufricf, schuf er ein Unternehmen, welches mirdurch deil entzückten Glauben jener Schwärmer mit den hei-mischen Dingen Zusammenhang hatte: mit einem Worte, der
74) Nach der obigen Darstellung kan» ich die gewöhnliche Ansicht nicht thei-len, die nrban aus dem hoffnungslosesten Zustande hervor den Krenz-zng verkünden läßt.
75) Nach Ruinarts Berechnung war er etwa 52 Jahr alt. ViluII. p. 8.