ses auf die Kirche. Der König gericth in heftigen Zorn, nndknüpfte, als seine Drohungen über Anselm nichts vermochten,hinter dessen Rücken eine Unterhandlung mit dem Papste an.Im Jahre 1094 nämlich sandte er zwei seiner Geistlichen nachRom nnd forderte Urban II. auf, das erzbischöfliche Palliumdurch ihn, den König, Anselm überreichen zu lassen. Solch einVerfahren, wobei die Instguie der Metropolitangcwakt dnrchLaienhändc verliehen wurde, hatte zu Gregors System inschroffem Widerspruche gestanden, Urban aber war gefügigerals sein Vorgänger und selbst als Anselm, welcher trotz desPapstes wenigstens in der Form der Uebernahme die kirchlicheSelbstständigkeit behauptete. Jndcß erreichte Urban für denAugenblick seinen Zweck, und stellte den seit Jahren unterbro-chenen römischen Einfluß in England wieder her. Anselm be-herrschte — nicht lange freilich — den Ekerns der Insel ohneWiderrede in römischem Sinne: ein Einfluß auf die Reichs-Verwaltung, wie ihn Lanfrank besessen, war schon nach Wil-helm II. Natur nicht denkbar, lag aber ebenso wenig in denAbsichten Anselms wie des Papstes. Darum war die Begei-sterung , mit welcher Adel und Volk den Erzbischof verehrten,nicht geringer 71 ).
So lagen die Reiche dcS Abendlandes, als das Jahr 1094zu Ende ging, vor dem zufriedenen Blicke des Papstes, die Be-freiung nnd Herrschaft der Kirche war erreicht und ihr Mittel-punkt im Papstthnm durchaus sonvcrain. Die volle Unterwer-fung der weltlichen Gewalten hatte man anfgcgcbcn, dafürstand mau überall mit ihnen im Bunde, wirkte an zahllosenPunkten ans ihr inneres Leben nnd hielt sic fest in dem eignen,streng geschlossenen Verbände. Der Gehorsam gegen Rom bil-dete den Mittelpunkt des religiösen Bewußtseins; die Asectik,wie wir stc oben schilderten, stand noch in voller Kraft, aberwie eng hatte auch sie sich an das hierarchische Wesen augo-
71) Vgl «nppml'ecg E„M,d II >83 ff,