Druckschrift 
Geschichte des ersten Kreuzzugs
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
 

124

denschaft, das Herz »och voll von der Begeisterung, welche de»Qccidcnt in Waffen gebracht, wurden die Berichte jener erste»Art abgeschlossen. 2>n Abcndlandc ergriff man den vielfachund schwankend überlieferten Stoff; die Ideen, welche jeneThatcn zu Stande gebracht, waren nicht minder lebendig inder Brnst der Hörer; da nahm sich ein jeder nur die Abbilderder eignen Ideen aus den Thatsachcn heraus, und fand er sienicht, so hatte er sic nach wenig Tagen sich selbst erzeugt. Dieachten Quellen erzählten wenig von menschlichem oder logischemZusammenhang wie wir ihn denn für die Ereignisse ansihnen mit Mühe crrathcn oder in einzelnen Fallen auch wohllangnen müssen. Die Ucbcrliefernng der Sage ging von in-nerer Einheit freilich ans und schaute die Dinge in großarti-ger Verbindung an, aber Einheit und Verbindung war andrerArt, als sic ein Geschichtschreiber äußerer Vorfälle und der ausdiesen hcrvorlcuchtcndcn Gesetze hätte gebrauchen können.

Und dagegen nun Wilhelm. Der ganze Mensch in ihmging auf in dem lleben seines Staates, welcher damals, wennirgend einer in der christlichen Welt, ein politisches Ganze bil-dete. Zwar ist es, zum großen Thcile durch Wilhelm selbst,feststehende Ansicht geworden, daß der Zustand der christlichenBesitzungen in Syrien damals in unhcmmbarcm Verfall begrif-fen, daß religiöse und vaterländische Begeisterung verschwundenund nicht einmal die alte kriegerische Tapferkeit vorhanden ge-wesen sei. So redet man immer von dieser Zeit der Schlech-tigkeit und Schwache, und wundert sich nur, wie bei Nnred-dins und Saladins Kraft die Vernichtung noch so lange ver-zögert werden konnte. Ich gestehe nun, daß ich so viel wederin Wilhelms Acnßernngen entdecken die arabischen Quellengeben noch ein viel ehrenhafteres Bild noch was sich beiihm von dieser Ansicht vorsindet, vollkommen bestätigen kann.An materieller Kraft zunächst war man, wie cs Wilhelm oftansspricht, den früher» Generationen weit überlegen; unterBalduin IV. kamen Rüstungen zu Stande von mehr als zwan-zig Tausenden, man hatte ein Heer, sagt Wilhelm, gewal-tig, wie seit Mcnschcngedcnkcn kein einzelnes Reich gerüstet