Drittes Capitel.
W il h e l m von T y r u s.
Während das Abendland in der angegebenen Weise denhistorischen Stoff des Krenzzngs auffaßtc und ansprägte, erhobsteh in Palästina rin höchst bedeutender Mensch zu dem dan-krnswerthcn Vorsatz, diesem Reiche eine Geschichte seiner Ver-gangenheit, und der Heimath ein Denkmal für die Zukunft zugeben. Er schrieb mit dem vollen Gefühl des Patriotismus,und zugleich-mit dem anregenden Schmerze, den Trost fürschlimme Gegenwart nur in der Erkenntlich vergangenen Glückeszu haben: äußere Mittel und persönliche Fähigkeit waren da-bei im hohen Grade vorhanden, so konnte es nicht fehlen, daßdie feste und besonnene Energie, mit der er seines Stoffes sichbemächtigte, einer der größten geschichtlichen Arbeiten des Mit-telalters das Dasein gab.
Wilhelm war in Palästina geboren, an welchem Ort, zuwelcher Zeit und von Eltern welchen Geschlechts, darüber feh-len uns alle Nachrichten i). Seine Bildung erhielt er im Abcnd-lande, möglicher Weise zu Paris; doch beruht die letztere Angabeans leerer Vermuthnng, denn er selbst, und er ist unser ein-ziger Gewährsmann, meldet nur, daß er um 1103 seiner Stu-dien wegen ans Syrien entfernt gewesen sei. Vier Jahrenachher finden wir ihn als Archidiaconns der lyrischen Kirche,
1) imiigars i„ prnel'. stellt Lkw Nöthige über sei» Lebe» zusammen. Ichführe hier nur au, was zur Auffassung seiner Persönlichkeit wesentlicherscheint. .