94
des dritten wird ein fabelhaftes Ganze gebildet, einzelnes völ-lig Erdichtete spielt hinein, Erinnerungen der Tradition, wie siebei Albert vorliegt, klingen an; mit einem Worte, man glaubtsich einem regellosen Tranmgeflechtc gegenüber. Entgegenge-setzter Art ist folgende Wahrnehmung. Boemunds Feindselig-keit gegen Kaiser Alcriuö ist der Ansicht der Zeitgenossen höchstgeläufig; niemand glaubte daran, daß der Normann im Jahr1097 das griechische Reich in friedlichen Absichten durchzog;man erzählte von Aufforderungen, die er den übrigen Fürsten,Krieg gegen Alerius betreffend, habe znkommcn lassen. Albertweiß davon, und berichtet, wie Herzog Gottfried solch einenAufruf abgclehnt 7 i); Drderich hat dieselbe Kunde, aber beiihm sind Herzog Robert und Graf Stephan die Hcrangczo-gcncn 75 ).
Diese Bemerkungen werden genügen, die große Erweite-rung des Kreises, in dem wir uns hier bewegen, anschaulichzu machen. Das Wesentliche der Albcrt'schcn und so vielandern Erzählungen Gemeinsame liegt darin, daß sie nicht alsder Bericht einer bestimmten und bekannten Person vor unshintrcten, ans deren Natur und Stellung der Werth des Be-richtes sofort zu erkennen wäre, daß sic vielmehr sammtlich alsTheile einer großen, im ganzen Abcndlandc heimischen Uebcr-licfcrnng erscheinen, deren Beglaubigung an jeder Stelle vonNeuem fcstznstclleu ist. Ganz zufällig hat sich die eine großeMasse derselben unter Albcrts Namen zusammcugcfunden: dieUnbefangenheit, mit der dieser Geist das Seltsamste und Wi-dersprechendste in sich aufnahm, hat es hier zu keiner Auswahlund Gestaltung des Stoffes kommen lassen, wie man sie sonstvon dem Werke eines einzigen selbstthätigcn Verfassers erwar-tet. Wir können uns nur an den Inhalt der einzelnen Bruch-stücke, und trotz seiner Einwirkung nur an die Frage halten,in wie weit seine Gewährsmänner den Stoff der reinen Wirk-lichkeit unversehrt gelassen haben. Nicht anders ist unser Vcr-
74) LIK. II. 14.
75) ?. 727.