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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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1103
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§. 421. Papst PiuS IX.; Anfang einer neuen Periode der KG. 1103

dauert, so ist die seines Nachfolgers überraschend schnell vollzogen worden(v. 14.16. Juni 1846). Die im Conclave anwesenden 50 Cardinälevereinigten die meisten Stimmen anfM ast ei F erretti, Bischof vonJmola,der am 13. Mai 1792 zu Sinigaglia im Kirchenstaate geboren und vonGregor XVI. am 14. December 1840 zum Cardinal ernannt worden war. Erließ sich als Pius IX. verkünden. Da Gregor XVI. die in dem Memoran-dum der Großmächte v. I. 1831 für den Kirchenstaat so dringend empfoh-lenen politischen und socialen Reformen nicht ausgeführt hatte, so glaubtePius IX. diesem bislang weniger beachteten Zweige der päpstlichen Negie-rung seine Aufmerksamkeit zunächst und vorzüglich zuwcnden zu sollen, undalso die drohenden Gefahren beseitigen zu können'). Seine große Herzens-güte wie sein hoherpriesterlicher Beruf der Versöhnung ließen ihn mit einerAmnestie den Anfang machen, wie sie lange nicht in solchem Umfange undin solch' versöhnlichem Geiste ist erthcilt worden. In rascher Aufeinander-folge, die Vielen bedenklich erscheinen mußte, wurden nun mit väterlicherHuld Freiheiten bewilligt und Zugeständnisse gemacht, welche eine wahrhaftvolkSthümliche, staatlich constitutionelle Entwickelung aufs bestimmteste ver-bürgten. Die hierüber ausbrcchenden und nicht enden wollenden awivu derUnterthancn und der ganzen Bevölkerung Italiens, wie auch der laute Bei-fall des protestantischen Europa's in der Pi us-H ymne schienen dem Ober-haupte der katholischen Christenheit ein unvergängliches Denkmal in den Her-zen der Nationen gesetzt zu haben.

Ueber diesen politischen Reformen vergaß Pius IX. der kirchlichen Wirk-samkeit nicht. In seiner onc^clic« an alle Patriarchen, Primate, Erzbischöfeund Bischöfe der katholischen Christenheit (9. Nvv. 1846) bezeichnte er alleSchäden der Zeit, welche die Kirche allein zu heilen berufen und vermögendsei, wenn ihre Hirten wachsam und hingcbend sich erweisen'). Und specicllwandte er sich aus einem besonder» HerzcnSdrange zu den Orientalen,die unerschütterlich in dem Glauben und der Gemeinschaft des heil. Stuhlesausgcharrt oder ebenso preiswürdig nach Erkenntniß des Jrrthums zu ihmzurückgekchrt sind (6- Jan. 1848), und zu den bedrängten Katholiken inRußland undPvlen^), denen er, auf Grund der seit Gregor X VI. eifrigfortgesetzten Verhandlungen mit dem Kaiser Nicolauö, eine bessere Lage ihresreligiösen Bekenntnisses in Aussicht stellte (Allocution v. 3. Juli 1848).In dem herzlichen Schreiben an die Missionsvere ine in Lyon und Parisbewies er, daß er in seinem erhabenen Herrscheramte über die Stadt und denErdkreis (url>i8 et orln's) ein vorzügliches Interesse an ihrer gottseligen, be-glückenden Wirksamkeit nehmet, an der er sich selbst 1823 in Südamerikabetheiligt hat^). Und welch herrliches Bild konnte Maguire von derWohlthätigkeit Pius IX. entwerfen ^)!

Die von Pius IX. mit so großem Vertrauen gemachten Zugeständnissewaren weit entfernt, die Gcmüther zu versöhnen und zu beruhigen. Die aus

1 1 Vgl.Die röm. Staatsumwälznng v. Tode Gregor'S XVI. bis zur Wie-derherstellung Pius IX." im A, A. Z. 1849. Nr. 236 u. 237 in d. Beilagen, u.der Kirchenstaat seit d franz. Rcvolut." (histor. polit. Blatt. Bd. 44. in mehr.Artikeln) u.zur Lage Jtal." lebendas. Bd. 43 )

2, Katholik 1846. Nr. >47 u. 148.

3) Katholik 1848. Nr. 17. des Missionsblattcs u. Nr. 90.

4) Jahrbücher der Verbreit, des Glaub. 1846. H. 6. S. 74 ff.

51 Katholik 1848. Missiousblatt Nr. 26.:Papst Pius IX. in Chili."

6) Vgl. Frcib. kathol. Kirchenblatt von 1858. S. 195197.