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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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763
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§. 309. Heinrich VIII. v. England u. Erasmus gegen Luther re. 763

Vcrtheidi'gcr des römische» Hofes auf, nicht als knechtischer Anbeter alter ge-beiliqtcr Vorurtheile, nicht als persönlicher Feind Luthcr'ö, sondern als ruhi-ger Gegner der Meinungen desselben, uni seine Zweifel und seine Gründeragegen mit Bescheidenheit, aber auch mit der Würde des selbstdenkendenUntersuchtes vorzntragcn." Zunächst rügte er die höchst unwürdige Beweis-führung Lntbcr's in Altegirung von Stellen der h. Schrift'), welche augen-scheinlich vre Freiheit des menschlichen Willens lehrten. Luther antwortete")sogleich ebenso heftig und gemein, wie gegen Heinrich VIII. Und mit wel-cher Leidenschaftlichkeit der vermeintliche Verfechter der Geistes fr e i heitfür die Unfreiheit des menschlichen Willens stritt, geht aus folgendenAussprüche» hervor Z: „der Wille des Menschen sei wie ein Pferd; sitzeGott darauf, so gebt und will er, wie Gott will; reitet ihn der Teufel, sogeht er, wie der Teufel will; alle Dinge geschehen durch den unabänderlichenWillen Gottes, der den freien Willen des Menschen gänzlich zertrümmere;Gott tlnic in uns das Böse wie bas Gute, und gleichwie er ohne Verdienstselig mache, so verdamme er auch ohne Schuld;" — Sätze, welche nichtdem Evangelium, sondern dem Koran entlehnt zu sein schienen, und welchenachLessing'S scharfer Aeußernng-f) „ein mehr viehischer als mensch-licher Zrrthum, eine Gotteslästerung" sind. Und gleichwohl hatte Luther,wie Planck richtig bemerkt, sein ganzcsSystem auf die Lehre von der Unfrei-heit gebaut, und darum noch i. I. 1537 an Capito geschrieben: „alle seineSchriften möchte er untergchcn lassen, wenn nur die über den knechtischenWillen und die beiden Katechismen erhalten blieben." Durch Machtsprücheund Verdrehung vindicirte er die für die Freiheit des menschlichen Willenshervorgchobcnen Stellen der h. Schrift gerade für den unfreien Willen, undbehauptete i» gotteslästerlicher Weise: daß Gott heimlich das Gcgentheildessen wolle, was sein geoffenbarter Wille ausjprcche, und daß die Apostelnur spottweise von einer Freiheit des menschlichen Willens und vonmenschlichem Thun sprächen''). Jetzt wurde auchErasmus in der zweitenSchrift") bitterer, und enthüllte rücksichtslos die unwissenschaftliche Will-kür Luthers, der es auch hier bald rathsam fand, einzulenken und zu beken-nen, daß er zu weit gegangen. Er schrieb an ErasmuS einen schmeichelndenBrief, der verloren ging; nur die Antwort des Erasmus") ist bekannt.

die Parallele zw. Luth. u. Erasm. von dem Zeitgen. Zasins in Döllinger'sRrfmnationsgcsch. Bd. I. S. N7-79 Niffel Bd. II. S. 221—298

li De lllmro ueluirio (liutrOm. 524. (Walch Bd. XVUI S. l9. 62.)

2) Luther nennt Erasm. „einen Ungläubigen, der eine Sau von derHeerde des Epicur in sich umhcrtragc."

3) De uoivn urlülrio all Inrusm 525. (Walch 2 d. XVIII. S. 20. 50. >

t) „Ich begehre keinen freien Willen; ich bleibe ein ehrlicher Lutheraner und

behalte de» mehr viehischen als menschlichen Jrrthum und die Gotteslästerung,daß kein freier Wille sei." iUcber die Lehre des Spinoza.)

4) „Thun" heißt nichts anders als „glauben," das Gesetz durch denGlaube» halten So heiße z. B. bei Matthäus: „thuc das, so wirst duleben" — glaube das, so wirst du leben. Die Worte „thne das" sind nurspottwcisc gesagt, als wenn unser Herr hätte sagen wollen: morgen früh wirst dues thu», aber heut nicht; versuch es nur einmal die Gebote zu Hallen u. du wirstdeine Schmach schon erkenne». Luth. Werke von Walch Bd. VI li, 2140

5) I/NM'anMke-« iliutr. uüv. servum. urb. Imtb. I'. II. 526 sg. (»NP. eü.Olsrle. P. X. I249.> Vgl. über den Streit Riffel Bd II. S. 250-98.

8) bhip. (eel. Cie,ne.) XXI, 28. >,Opturem tibi (lüttst.) moliorsm menteiu,nisi luu tibi tum vulcls plueerst. Nilii »ptubis guoü voleu, moeln ne luum.inemem, uisj Dominus is um mutuverit."