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3. Zeitraum. 1. Periode, t. Capitel.
fanatischen Zerstörens der Kapellen und Altäre und wegen aufrührerischerPredigten gegen die Obrigkeit aus Altstadt vertriebe», nach Mühlhausen ge-kommen und Stadtpfarrer geworben war. Er verkündete die natürliche Gleich-heit aller Menschen, Abschaffung der Obrigkeit und Herstellung eines neuenReiches, das aus lauter Gerechten bestehen werde. Auch einzelne Bauern selbsterhoben sich als Prediger; denn Jedermann, war ihnen gesagt worden, müssees freistehen, Gottes Wort zu verkünden. Und in der von ihnen eingereichtenBeschwerde in 12 Artikeln stand oben an die Forderung, „daffsede Gemeindeihre christlichen Lehrer sich selbst erwählen und Gewalt haben solle, selbe wie-der abznsctzen." Sie wandten sich an Luther und forderten von ihm, der mitWorten der h. Schrift den höchsten Gewalten auf Erde» Trotz geboten hatte,Vertheidigung ihres Beginnens. In nicht geringer Verlegenheit antworteteer in Form einer Er Mahnung ff) zugleich an vic Baue,», die er anfangsliebe Herrn und Brüder nannte, und oie Fürsten, und wälzte durch offenbareUnredlichkeit die Schuld des Aufruhrs abermals auf die Bischöfe und katlwl.Fürsten: „d i e n i cht au sh örten zu toben und zu wüthen widerdas Evangelium." Als dies, wie zu erwarten stand, wenig fruchtete,die Verwüstungen und Grausamkeiten der Bauern immer empörender wur-den (Weinsbcrg!), und die Gegner dem Luther begreiflich »lachten, eü seiviel leichter, ein Feuer anzuschüre» als zu löschen, erliest er die Schrift:„wider die räubcrischen und mörderischen Bauern," in der dieFürste» aufgcfordert werden: „keine Geduld und Barmherzigkeit weiter zuüben, sondern zuzuschlagen, so lange sie eine Ader regen könnten, die Bauernwie tolle Hunde todtzuschlagcn," von denen jeder mit Leib und Seele ver-loren und ewig des Teufels sei: — als ob ein irregeleiteter und offenbardurch Luther selbst irregeführter und besiegter Pöbel gar kein Mitleidverdiene! Gleichwohl rechtfertigte Luther noch sein Benehmen in gottesläster-licher Weise: „Ich Mart.» Luther habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen,denn ich habe sie heißen todtschlagen. All' ihr Blut ist aus meinem Halse:aber ich weise eS aufunsern Herrgott, der hatmir das zu re-den befohlen" Und noch auffallender erscheint hiebei das Benehmendes ungleich besonneneren Melanchthon, welcher vom Pfalzgra-fen Ludwig bei Rhein, dem die Vermeidung des Blutvergießens und dieHerstellung des Rechtszustandes am Herzen lag, aufgefordert, sich über die12 Artikel zu äußer», dies in „einer Schrift wider die Artikel der Pawer-schast 1525" in der Weise that, daß er wiederholt den Grundsatz auf-stellt : „Es wäre von nöten, daß ein solch wild ungezogenes Volk, als Tcut-schen sind, noch weniger Freiheit hätten, denn cs hat." Zugleich beseitigt eralle Rechtsansprüche der Bauern durch den Satz: „was die Obrigkeit thue,
1-) Walch Bd. XVI. S. 5 ff. Ad. XXI. S. 149 ff. - SarivriuS, Ver-such ein. Gcsch. d. dcut. Bauernkrieg. Berl. 795. Wachsmuih, der dcut. Bauern-krieg. Lpz. 834 Zimmermann, allgcm. Gesch. d. groß. Bauernkrieg. Siuttg.843. 3 Bdc. Bensen, Gcsch. des Bauernkrieges in Ostfrankcn, a d. Quellenbearbeitet. Erlang. 840; besoud. zu beachten folgende Aufsätze: Ursachen desdeutsch. Bauernkrieges lHistor. polit. Blätter. Bd. VI. S. 32l ff.); Ausbruch d.Baucrnkr., sn. Eharak. u. seine Thcilnchmer <a. a. O. S. 449—69. :; Vcrthcl-digungsanstalt. geg. die Bauern i ebendas S. 527 — 44); Manifeste u. Ver-fassungscutw. der Bauern t ebendas. S. 641—64.); Lut her's Verhalten i>»Bauernkriege la. a. O Bd. VII. S. 170—192.). Vgl auch Riffel Bd. IS. 412—79. 2. A. Bd. I. S. 508—581.
1 ^ Luth. Tischreden, Eislcb. Ausg. p. 276.