§. 273. Calirt III- und seine Nachfolger (1455-1503). 673
gegen die Türken kämpften. So rüstete Cali rt 1I>. ^), ohne Theilnahmeder Fürsten Europa's, wenigstens für seinen Theil nach einem früheren Ge-lübdc ein siegreiches Heer gegen die Türken. Die Gläubigen hat er fürglückliche Ausführung dieses Vorhabens zu Gebeten beim Läuten am Mittag,das er angcordnet, aufgefordert. Aber auch den Wissenschaften, besondersdem christlichen wie heidnischen Alterthume innig zugewandt, wurde er einweiterer Begründer der vatikanischen Bibliothek. Seinen guten Ruf beflecktecr übrigens durch Nepotismus: zwei Anverwandte ernannte er an einemTage zu Cardinälen, einen dritten zum Herzoge von Spoleto. Um solchemMißbrauche vorzubeugen, glaubte sich das Conclave bei der neuen Wahlverpflichtet, eine Wahlcapitulation beschwören zu lassen.
Die Wahl traf auf den geistreichen Geschichtschreiber der Baseler Synode,Acneas Sylvius, als Pius il. *). Groß war sein Eifer zur Rettung Euro-pas vor dem drohenden Joche der Türken. Auf der hiezu veranlaßten Ver-sammlung zu M antua (1459) fand er jedoch keine Unterstützung; sein gut-gemeinter Versuch, den Sultan Muhammed durch ausführliche schriftlicheBelehrung zum Christcnthume zu bekehren, blieb erfolglos. Dennoch ermun-terte er den mit ihm verbundenen Nico laus von Cusazur Abfassungder Schrift cko >mee sive concorclnntikl liclei, wodurch die Muhammedanerdem Christenthume näher geführt werden sollten. „Kommen muß die Zeit,schloß der glaubcnsvolle Verfasser, in welcher nur der Glaube an Christusherrscht; in ihm allein ist Heil, Leben und Seligkeit. Wende du (Chalif)dich zu ihm, und es werden alle oeine Anhänger folgen." Im Vertrauen,es würden, wenn er, der Lehrer der Fürsten und Vater der Christenheit undnoch dazu von Alter gebeugt, voranginge, auch die übrigen Regenten fol-gen, stellte sich Pius II. an die Spitze eines Heeres gegen die Türken. Dochauch so blieb er ohne Unterstützung, und beschleunigte durch allzu große An-strengung seinen Tod. So wurde leider auch der von Nicolaus von Cusamit großer Weisheit verfaßte Entwurf zu einer General-Reform inner-halb der Kirche nicht ausgeführt. In der IIuIIu retimctationum nahm Pius nachdem Vorbilde des h. Augustin seine früheren irrigen Grundsätze während derTheilnahme am Basler Concil zurück: „Verwerfet, sagte er, den AeneaSSylvius und nehmet Pius II. an!" Gegen die wieder auftauchenden Appel-lationen von dem Papste an ein allgemeines Concil erließ er die Bulle Lxs-crubiiis unter Androhung der Ercommunication; die pragmatischeSanctivn der Franzosen vermochte er nicht zu beseitigen.
Die noch erweiterte Wahlcapitulation wußte Paul II. durch ein Gut-achten mehrerer Rechtsgelehrten gewaltsam aufzuhebcn. Zur Befriedigungseiner Prachtliebe nnd Verschwendung bedurfte er der Einkünfte fremder Kir-chen; die früheren Mißbräuche in der Verwaltung von Benestcien erneuer-
ücu'ck«',,. 17 IX. 1375 8g. A. Menzel, Gcsch. der Deutsche» Bd. VI.S. 241 ff.: „Daß wenigstens Etwas gegen die Türken geschah, war alleinWerk des Papstes, und die große Ncttungsfch lacht bei Belgrad (22.Just 1456) mußte, da sic durch seine Legaten u. seine Kreuzfahrer entschiedenworden war, recht eigentlich aus seine Rechnung gesetzt werden u. s. w."
1) Ans. vit-e?ii II. V. III. ?. II. p. 965.) Vgl. auch
mrrckum. 1. IX. p. jZtzg «Io Ist, II. rsb. Zsstio ot morib.Lorol.
82o. vgl. Scharpf a. a. O. Th. I. S. 268-305. Uebcr die Versuche Pius II.M Aufhebung der pragm. Sanctio» s. Schröckh, KG. Th. 32. S. 280-89.^,?s!?ubach, Eriuner. an Acneas Splvius. Basel 840. Voigt, Enea Silivio°ls P. Pius II. Brl. 856 ff.
Alzog's Kirchcugcschichtc. 7. Auflage. 4Z