558 Sachsen. HI. Statistische Übersicht
ßen, Leisnig und Kolditz; vorzüglich erzeugt die Gegend von Meißen bis Nossenund Döbeln treffliche Kirschen. Der Sachsen eigne borsdorfcr Apfel, der selbst inBöhmen leicht ausartet, veranlaßt einen eignen Handelsartikel auf der leipzigerMichaelmesse, wo oft für 20,000 Thlr. Obst überhaupt abgescht wird. Der Wein-bau seit d. 12. Jahrh. im Elbthal, seit d. 16. Jahrh. besonders befördert, seit 1799durch eine Wcinbaugesellschaft (in Meißen) belebt, hat s. Hauptgebiet von Pillnitzbis unterhalb Meißen, besonders auf dem rechten Elbufer, und hier vorzüglich aufden Sienitgebirgen. Man schätzt die Bodenflache sämmtl. Weinberge auf 7—8000Morgen. Ein.bedeutender Theil derselben ist königl. Eigenthum. Der Ertragsämmtl. Weinberge wurde 1818 auf 200,000 dresdner Eimer (zu 72 Kannen)angeschlagen. Der Hopfenbau, in frühem Zeiten bedeutender, wird oberhalb Pirna(bei Rathen und Wehlen), bei Schneeberg, Wurzen, Penig getrieben, liefert aberbei weitem nicht die Halste des inländ. Bedarfs. — Von den Erzeugnissen desLhierreichs gehören zur Urproduction vorzüglich Schwarz- und Rothwild, mehrekleine Raubthiere (u. a., wie man behauptet, noch wilde Katzen oberhalb Schandau),Hasen überall in großer Menge; mehre Raubvögel; der Auerhahn (im Erzgebirge,in der sachs. Schweiz und im Voigtlande), das Birkhuhn, der Fasan (sehr selten),der Trappe (nur selten bei Leipzig und Wurzen), Rebhühner fast überall häufig,Lerchen (ein Handelsartikel für Leipzig), Singvögel (die im Erzgebirge, besondersin Wcrmsgrün, abgerichtet werden und ins Ausland, oft bis Rußland, gehen),Fische bis zum Lachs (besonders im Lachsbache bei Hohnstein, in den beiden Muldenund in der Zschopau), Wels und Stöhr, besonders aber Karpfen (in einigen Teichenoft bis zu 28 Pfund schwer) und Forellen (vorzüglich im Erzgebirge und in den Bli-chen der sächsischen Schweiz), Fischotter (selten), Biber (nur an der Mulde undan der untern Elbe), Schildkröten selten in der Pleiße, Parde und Mulde. ImAllgemeinen hat das Wildpret gegen frühere Zeiten sehr abgenommen; das Schwarz-wild ist in neuern Zeiten auf einige Gegenden an großen niederländischen Heiden be-schränkt worden; unter der Regierung des Königs Anton ist den sogen. Wildschä-den Einhalt geschehen. Hinsichtlich der Rindviehzucht gilt der voigtländ. Vieh-stamm für den besten in Sachsen, aber auch im untern Erzgebirge findet man einentrefflichen Stamm, und auf großen Landgütern gibt es überall veredeltes Vieh ausschweizerischem, friesischem und holsteinischem Stamm. Die Nindvichzucht ist nichtausreichend für den Landesbedarf an Schlachtvieh, wozu viel aus Polen kommt.Die Pferdezucht liefert zwar einen guten, Lurch die Hengste des Landgestüts seit1787 veredelten Stamm, aber nicht hinreichend für das Bedürfnis Die Schaf-zucht (vgl. d.) ist die Hauptquelle des Nationalreichthums in Sachsen. Seit 1765wurde durch eingeführte spanische Merinoschafe und durch die Anlage von Stamm-schäfereien, welchen eine eigne Behörde vorsteht, der einheimische Stamm derge-stalt veredelt, daß man das einheimische deutsche Schaf fast nirgends mehr in Sach-sen findet, da man cs auch in einigen gebirgischen Gegenden durch den ungarischenStamm veredelt hat. Man rechnet in Sachsen mehr als 2 Mill. veredelter Schafe,welche, jährl. nur 2^ Pf. auf das Stück gerechnet, 4,500,000 Pf. Wolle geben.Nach Ternaux (Paris 1827) war die sächs. Electoralwolle, welche allen andern vor-gezogen wird, allein im Preise gestiegen; das Kilogramm, welches 1804 nur 16Fr- kostete, galt im 1.1827 34 Franken. Dagegen soll aber auch der 10 —12.Theil des Landes zu Gunsten der Schaftrift unangebaut liegen. Die Schafzuchtblüht am meisten in den Gegenden von Döbeln, Ofchatz, Lommatsch, Pegau, Leip-zig, westlich von Pirna und um Bautzen. Außer den königl. Schäfereien ist dieSchäferei des Grafen v. Schönburg zu Rochsburg im Erzgebirge als die vorzüg-lichste in Deutschland zu erwähnen. Man hat jedoch die Bemerkung gemacht, daßSachsen, wofern nicht Maßregeln getroffen würden, in Gefahr stehe, an Auslän-der die Früchte zu'vcrlieren, die dem Lande bestimmt waren, da die sächsischen Schä-