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6 (1830) K bis L
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-400 Lally-Tolendal (Vater u. Sohn) Lama !

Meinungen äußerte, die oft beleidigende Strenge, welche er gegen Systeme, deren !Unstatthaftigkeit keiner Rüge werth wnr, auszuüben pflegte, die Gewohnheit, selbstda, wo er schweigen durfte, seine Gesinnungen frei zu offenbaren, alles Dieses reizteeine Menge von Unzufriedenen gegen ihn auf, die ihn verfolgten, und denen es sogargelang, ihm seine wirklichen Verdienste streitig zu machen. Dazu kam, daß seinCharakter ein sonderbares Gemisch von großen, empfchlungswürdigen Eigenschaftenund von ausfallenden Sonderbarkeiten war, welche aus Eitelkeit und einer gewissenSucht, Aufsehen zu erregen,hervorgegangen sein mögen. Unter letztem zeichnete sichsein Atheismus aus, der ihm viele Feinde zuzog. Ungeachtet dieser Sonderbarkei- ^ten war L. gütig, großmüthig und gefühlvoll, und überhaupt wol auch religiöser, Ials er selbst glaubte oder sein wollte. Er starb den 4. April 1807. '

Lally-Tolendal. 1)Dcr Vater, Thomas Arthur, stanz. Ge-»erallieutenant u. s. w., von irländ. Abkunft. Seine Vorfahren waren mit Ja- >kob !I. nach Frankreich gekommen. Arthur zeichnete sich in der Schlacht von Fon-tenoi (11. Mai 1745) rühmlich aus. 1750 wurde er nach Ostindien geschickt, jum dort gegen die Engländer große Maßregeln zu treffen und die stanz. Besitzungen ssicherzustellen. Er war aber nicht glücklich. Pondichery wurde von den Engländern !erobert und er zum Gefangenen gemacht ( 27. Jan. 1761). Nach dem Frieden machteman ihm über seine Kriegsführung in Ostindien den Proceß; er wurde des Todesschuldig erkannt und am 9. Mai 1767 hingerichtet. Man nannte seinen Tod einen ^Justizmord, und seine Freunde, sowie sein Sohn, namentlich Voltaire, brachten es1778 dahin, daß sein Proceß revidirt und caffirt wurde. 2) Der Sohn, Tro- >phime Gerard, geb. zu Paris den 5. März 1751, widmete sich ebenfalls dem ^Kriegsdienste. Er machte sich durch die Schutzschriften zur Ehrenrettung s. Vaters ibekannt, und umfaßte die Sache der Revolution mit Feuer, aber auch mit großemVerstände, indem ihm die Abwege nicht entgingen, auf welche die Anarchisten dasVolk zu leiten suchten. Bei den fortschreitenden Volksausschweifungen ging er zu s.Freunde Mounier nach der Schweiz. Er kehrte zurück, wurde verhaftet und entging,wie durch ein Wunder, den Septembermorden. Darauf floh er nach England undbot sich von da vergebens beim Processe Ludwigs XVI. zum Vertheidiger an. Nachd. 18. Brumaire kehrte er nach Frankreich zurück, nahm aber erst unter Ludwig XVIIl.Theil an d>n öffentlichen Angelegenheiten, Und wurde von diesem in die Kammerder Pairs gerufen, wo er, oft mit echter Bcredtsamkcit, die constitutionnellen Grund-sätze vertheidigt. Auch ist er Mitglied der stanz. Akademie.

Lama, im Tangutanischen, Mutter der Seelen, Seelsorger, ist bei denMongolen die Benennung aller Geistlichen, bei den Kalmücken nur der vorneh-mem. Danach heißt die Religion der Mongolen und Kalmücken die lamaische.

In derselben wird als höchster Gott der Schigemuni, und als dessen Stellver-treter der Dalai-Lama, d. h. der große Lama, verehrt. Er ist das Oberhauptder geistlichen und weltlichen Macht in Tibet, welches Kaiserthum als ein Kir-chenstaat (Theokratie) betrachtet werden kann. Er stellt nicht bloß einen sichtbarenStellvertreter der Gottheit aus Erden vor, sondern auch eine unter den Menschenwohnende, wirkliche Gottheit. Der Glaube an sein ewiges Fortleben knüpft sichan die dort herrschende Idee der Seelenwanderung an. Man glaubte, daß dieGottheit, sowie sie den Körper des Dalai-Lama, den sie bisher bewohnte, ver- !

laßt, sogleich wieder auf eine übernatürliche Weise Besitz von einem andern Körper >

nehme, daß also nur das Äußere, nicht das Wesen selbst wechsele. Und in derThat kann man auf eine gewisse Weise dies annehmen, denn bei dem so durchausregelmäßigen hierarchischen Systeme ist es fast gleichgültig, wer an der Spitze steht.Sein gewöhnlicher Wohnsitz sind 2 in der Nahe der Hauptstadt Lhassa gelegeneKlöster, in denen er abwechselnd sich aufhält. Überall ist er von einer MengeGeistlicher umgeben; kein Frauenzimmer aber darf da, wo er sich aufhält, über-