Kunststraßm Kunsttriebe 34?
Das kunstpflegende Nürnberg hatte die erste Anstalt der Art in Deutschland. Dievon Sandrart 1662 gestiftete und lange von ihm geleitete Akademie, die durch diePrcißler neuen Ruhm erlangte, erhielt sich nur mühsam bei Mangel an Mitteln.Seit 1818 ist sie in eine nützliche Provinzialkunstschule umgewandelt worden. DieAkademie zu Berlin wurde gestiftet 1694, vollends begründet 1699 und hergestellt1786; die dresdner, gestiftet 1697, wurde mit der leipziger und meißner 1764vereinigt und hat noch jetzt die von Hagedorn angegebene Form. Die wiener wardvon Joseph 1. angelegt, aber erst von Karl VI. 1726 vollends begründet. Die zuMünchen besteht erst seit 1770, jetzt in zeitgemäßem Einrichtungen. Düsseldorf,Manheim sind als Kunstschulen jetzt noch nützlicher als in ihrer frühern Gestaltung.Weimar, Kassel, Frankfurt, Bern seien in dieser Aufzahlung nicht vergessen. DieAkademie der Malerei zu Madrid entstand 1752, die königl. Akademie der Malereizu London erst 1768. In den neuesten Tagen hat sie einen Zweig in Rom getrie-ben, von dem man hoffen mag, daß er der Kunst wirklich förderlicher sei, als derStamm, von dem er ausging Edinburg besaß seit 1^54 eine solche Anstalt. DieNiederlande haben zu Brüssel, Amsterdam, Antwerpen höhere Kunstanstalten;Stockholm hat eine Akademie der schönen Künste seit 1733 durch den Grafen Tessin;Kopenhagen eine durch ihre Schüler und ihre Methode sehr wirksam gewordene feit1738, deren Bevorrechtungen aber erst vom 1.1754 herstammen; die Petersbur-ger entstand schon 1757, ward aber 1764 erweitert. Ihr Einfluß auf dieJndustriezeigt sich dort sehr charakteristisch in den neuesten Tagen. Über Kunstschulen fürMusik s.Conservatorien. Zur Förderung des Kunsturtheils trägt das Stu-dium der Kunstgeschichte, und zur Förderung des Kunsttalents tragen diej Kunstvereine bei. In jener Hinsicht empfehlen wir: H. Mayer's „Geschichte
^ der bildenden Künste bei den Griechen" (3Abth., Dresden 1824); H. Hase's
i „Übersichtstafeln zur Geschichte der neuern Kunst bis 1520" (Dresd. 1827, Fol.);I Quatrcmere de Quincy's ,Monuiu. vt ouvr. d'urt autigu« rc." (Paris 1829,2 Bde., 4., m. Kpf.); Speth: „Über die Kunst in Italien" (3Thle., Münch. 1823)l und ähnliche Schriften. In dieser Hinsicht nennen wir: den berliner, den Säch-sischen (dresdner), den schlesischcn (brcslauer), die 1828, den rheinischen, der1829, und andre, die mit jenen gleichzeitig entstanden. 19.
s Kunststraßen, s. Ehaussöen.
Kunsttriebe. Kunst ist nur da möglich, wo Freiheit ist; sie steht der Na-j tur entgegen, und diese kann nur insofern Künstlerin genannt werden, als wir in! ihren Erzeugnissen Zweckmäßigkeit suchen und finden. Namentlich treffen wir bei: den Geschöpfen, die durch den Charakter der Thierhcit mit uns verwandt sind, ge-
j wisse Erscheinungen an, die wir den zweckmäßigen Wirkungen, welche der Mensch
l hervorbringt, darin ähnlich finden, daß sie den besondern Bedürfnissen des Thieres
vollkommen entsprechen: Erzeugnisse ihrer Wirksamkeit, welche, gleichsam alsmenschliche Werke betrachtet, einen hohen Grad von Gcschicklichkeit (Kunst) und? Übung crfodern würden. Nun nennen wir die Regungen eines innern, ursprüng-lichen Bedürfnisses organischer Körper Triebe (bei dem Thiere gewöhnlicher In-stinkt, insofern hier die Triebe, durch Empfindung bestimmt und mit willkürlichers Bewegung verbunden, mächtiger sich äußern); man nennt daher die Triebe der: Thiere, deren äußere Erzeugnisse wir in einem auffallenden Grade zweckmäßig und
i wunderbar finden, Kunsttriebe, und sie sind Handlungsweisen des Instinkts oders ihres durch Natur nothwendig bestimmten Begehrens. Abgesehen aber von derZweckmäßigkeit, welche in den Äußerungen dieser Act stattzufinden scheint, offen-s bort sich die mechanische Nothwendigkeit des Instinkts, durch welche sie sich vonden Kunstwerken des Menschen unterscheiden, in der unüberwindlichen Einförmig-keit dieser Werke, an welchen die Wahl und mithin die Willkür keinen Theil hat.