Kapitel II. h. 87.
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»nicht zuständig, dahin wüsten ziehen, kann man dannoch»solch jr begeren mit Billigkeit nicht abschlagen, demnach keine»Oberkeit macht hat jren Underthanen das Evangelium zu»wehren. Die übrige Artickel, so Leibcygenschafft, Beschwörung,»und dergleichen Dinge betreffen, sind ja auch nicht unbillich:»dann es gehört der Oberkeit nir zu, daß Volk nach ihrem»Mutwillen zu Plagen, sondern vielmehr sie mit sampt dem»jrcm zu beschützen und zu schirmen. Nun aber ist deß»schindens und schabens kein e n d, welches denn fürwar»in die Lange nit bestehen kann. Ja wenn gleich die Bauwcren»von jren Gütern und Felden jedes jars überreichliche Früchte»haben möchten, und doch die Herrschafft so vil deß mehr»Schatzung und steuwer von jnen forderten, und alles mit»unnöthigem überflüssigen Prachte überschwende-»ten, Lieber, was hetten die arme Leute für Nutz davon, oder»umb wieviel hetten sie sich gebessert? Man soll sich fürwar»deß Verschwendens mäßigen, und dem Uebcrfluffe abbrechen,»auff daß die arme Leute auch etwas, sich damit zu ernehren,»mögen behalten. Das übrig werdet jr aus jren öffentlichen»ausgegangencn Brieffen meines Erachtens verstanden haben.«
Auch an beide Lheile zusammen schrieb Luther, Friede undMäßigung rathend, auch wieder an die Bauern allein. Inzwi-schen verhallte die Stimme der Vernunft, und es erging Luthernfast, wie Göthes Zauberlehrling, der die Formel der Beschwich-tigung verlernt. Die Bauern führten grausamen Krieg, wurdenebenso grausam bestraft und überwunden. Ihre Lage wurdenicht verbessert, ja verschlimmert, da auch für lange Zeit hinNiemand für sie reden konnte^ ohne den Gedanken an denBauernkrieg zu erwecken. Im Rheingau z. B. kalte man beiAnnäherung der empörten fränkischen Bauern den Statthalter desKurfürsten von Mainz zu neuen Landesvcrtragen bewogen, inwelchen die Aufhebung der Steuerfreiheit des Adels und derGeistlichkeit das Wichtigste war -"). nach Besiegung
der Bauern verlor auch der Rheingau die mehrsten dieser Lan-
269) Sch unk Beiträge zur Mainzer Geschichte Th. 1. S. 174,