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Theil 1, Bd. 1 (1830)
Entstehung
Seite
73
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Kapitel II. §. 21.

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mußte endlich der Anführer der Königlichen Haustruppen eingewichtiger Mann werden. Und daß die bUolos ihn wählten,zeugt eben davon, daß die Königliche Gewalt durch das neueSystem auf der einen Seite soviel verloren, als sie auf der an-dern dadurch gewonnen hatten. Es heißt aber, das Fort-schreircn der Geschichte aufheben, wenn man alle diese Verhält-nisse schon auf den Anfang der Eroberung zurückdatirt.

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Ucber das Vcrhältniß der Sieger zu den Besiegten laßtsich nach heutigen Begriffen kaum eine richtige Vorstellung ma-chen, so cigenthümlich weist sich dieses aus. Wenn in unfernTagen ein Eroberer ein Land einnimmt, so führt er entwederdie Gesetzgebung des siegenden Staates ein, oder er laßt diedes Besiegten bestehen. Nicht so bei der Völkerwanderung. DieBarbaren behielten ihr vaterländisches Recht für sich, und diebesiegten Römer wurden vor wie nach ihrem Rechte gemäß be-ürtheilt. Ueber dieses System der persönlichen Rechte hat v.Savigny sehr gründlich gehandelt. Die Stellung desKönigs mußte natürlich anders zu den unterworfenen Römern,und anders -u den siegenden Gefährten seyn. Zu den Letzterenblieb sie die erste Zeit hindurch die alte. Der König als solcherkonnte sie nicht strafen, sondern nur als Feldherr 2 «). Sie

55) Gesch. d. Rom. R. i. M. Bd. 1. Kap. 3.

56) Man sehe die bekannte Geschichte von dem Gefäße zu Soiffons beiOregor. 1'ur. II. 27 , oder vielmehr, da sie nicht allen Lesern be-kannt seyn dürste, stehe sie hier. Zu Soiffons vertheilte Chlod-wigs Heer die Beute. Die damals noch heidnischen Franken hattenauf ihrem Zuge alle Kirchen ausgeplündert. Der heilige Remi-gius, damals Bischof zu Rheims, kam nach Soiffons, um ein sil-bernes Gefäß, das aus feiner Kirche geraubt war, zurückzufordern.Chlodwig wollte dasselbe wirklich zurückgeben. Ein Soldat a!-erschlug mit seiner Streitaxt an das Gefäß und rief aus, daß derKönig bei der Beutetheilung nicht über sein Loos hinausgehendürfe. Chlodwig mußte seine Rache einstweilen unterdrücken. Ei-nige Monate nachher aber beschuldigte er diese» Soldaten bei einerHeerschau, daß er feine Waffen nicht in Ordnung halte, und warfzugleich seine Streitaxt zu Boden. Als der Soldat sich bückte,um sie auszuveben, schlug Chlodwig ihn mit der seinigen auf denKopf, und rief aus: so schlugst du «uf das Gefäß von Rheims!