70
Buch I. Einleitung.
vom Anfangs der Eroberung an der Aufseher über das großeGemeingut der Eroberer gewesen, der von den Leuten selbst,etwa auf Borschlag des Königs, erwählt worden, um zu ver-hüten, daß der König die Lehen nicht an sich zöge oder ver-schleuderte, und wohl nicht, um des Königs Anlheil von diesemGute zu verwalten. Sey diese Ansicht richtig, so sey der Ma-jordomus ein Bevollmächtigter der Leute gewesen, neben denKönig gestellt, damit sic einen Mann hätten, der wegen derVerwendung des Fiskus ohne Schwierigkeit zur Rechnung gezo-gen werden könne. Allerdings habe dieses Amt den, welcher esführte, zu einem wichtigen Mann im Staate gemacht, weil jadurch das große Gemeingut die ganz: Verbindung der Erobererzusammengehalten worden; so lange jedoch die Könige Heerfüh-rer geblieben und an der Spitze der Leute an großen Tagen er-schienen, und so lange der Majordomus gewissermaßen nur einRechnungsführcr, wenn gleich in einem eigenthümüchen Sinne,geblieben: so lange habe derselbe auf die Verhältnisse des Staa-tes keinen Einfluß erhalten können.' Also sey es wohl begreif-lich, wie ein Jahrhundert und darüber hingelaufcn, ohne daßein Majordomus irgend bedeutend erscheine, und daß die Ge-schichte nur Herzöge, Grafen, Bischäse und Weiber kenne. Alsaber bei den Zerrüttungen unter Chlodwigs Nachkommen dieMajordomus zu der Verwaltung der Staatsgüter auch dasSchwert erhalten und als Feldhcrrn an der Spitze der Leute er-schienen, sey die Gewalt vereint worden, die man früher durchdie Aufstellung eines Verwalters der Lehen gegen den Königweislich zu trennen gesucht, und von da an habe der Königrzothrvendig alles Ansehen verlieren müssen, da die angestammteWürde auf die Dauer den Mangel an Gewalt unmöglich habeersetzen können, so daß ihnen endlich die Majordomus auch inder Würde gefolgt. — So weit Luden.
Luden hat dicj nähere Begründung dieser Ansichten nochnicht gegeben, sondern, wenigstens soviel die Majordomus be-trifft, in einer Note zu Sismonde noch versprochen. Bisdghin muß cs erlaubt scyn, einige bescheidene Zweifel gegen die